Das zauberhafte Marrakesch und der Traum von 1001 Nacht

Es ist nicht so, wie als würde jeder Marrakesch lieben. Immer wieder hörte ich während meiner Reise, gerade von Leuten, die allein unterwegs waren, dass sie nicht dorthin zurück wollten. Andere fanden Marrakesch aufregend und schön. Und dann bin da ich, die sich in Marrakesch verliebt hat, weil es ganz einfach wie ein Märchen aus 1001 Nacht ist.

 


 

Ankunft: Ganz schön düster hier.

 

Vor meiner Reise nach Marokko hatte ich so einiges gelesen. Gutes, Schlechtes, Warnungen. Eine davon lautete, gerade als alleinreisende Frau nicht mehr im Dunkeln durch Marrakeschs enge Gassen zu stiefeln.

Aber da war ich jetzt nun mal, 21.30 Uhr in Marrakesch, am Djemaa el Fna, wo mich und zwei andere das Taxi vom Flughafen aus hingefahren hatte. Noch war ich also nicht allein.

Es war warm, zu warm für den Winterpulli, den ich noch trug, aber immerhin war es nicht schwül. Der Djemaa el Fna, das Dreh- und Angelkreuz von Marrakeschs fantastischer Seite, war voller Menschen, lebhaft und laut. Gerüche von Gewürzen, Essen und Parfum drang zu uns herüber. Wir mussten uns den Weg vorbei an Eselkarren, Pferdekutschen, Händlern und Touristen am Straßenrand entlang bahnen. Allein in diesen 10 Minuten merkte ich bereits, dass ich Marrakesch ins Herz schließen würde – oder es sogar schon getan hatte.

Vielleicht, weil Marrakesch bereits jetzt genau das verkörperte, was ich mir unter Marokko vorgestellt hatte: Orientalisch, anders, märchenhaft, wie als wäre die Zeit hier vor Hunderten von Jahren einfach stehen geblieben.

Bei einer Abzweigung trennten sich dann mein und der Weg meiner beiden Begleiter. Mit Hilfe einer Wegbeschreibung vom Hostel sowie meiner Offlinekarte auf dem Handy versprach ich mir, im Dunkeln zügig allein meine Unterkunft zu finden. Es sah nicht mehr weit aus.

Ich lehnte jegliche Kontaktversuche ab, und den Weg wollte ich mir schonmal gar nicht zeigen lassen. Ich hatte viel zu oft gelesen, dass man da nur übers Ohr gehauen wird. Also folgte ich mit ständigem Blick auf mein Handy der Wegbeschreibung. „Links abbiegen“. Hier? Da war das Café, von dem die Rede war, und auch der Torbogen, aber HIER links abbiegen?

Kein Mensch würde mich in diese stockdunkle, enge, vollkommen ausgestorbene Gasse kriegen, vor der ich da gerade stand! Ich bin doch nicht blöd.

Ich vermied also den Weg und stiefelte weiter geradeaus, in dem Glauben, sicher die nächste Abzweigung nehmen zu können. Die kam allerdings längere Zeit nicht. Auf der Karte sah dann auch alles viel zu verwinkelt aus. Vielleicht also lieber eine Gasse früher, statt eine später? Ich lief wieder zurück, erneut an der Linksabbiegergasse vorbei, der ich nach wie vor nicht traute.

Als ich erneut den Djemaa el Fna erreichte und an keiner weiteren Abzweigung vorbeigekommen war, ergab ich mich schließlich meinem Schicksal. Bin ja auch nicht aus Zucker. Dieses Mal also bog ich links ab, vorbei an einem Restaurantbesitzer, der mich nun zum dritten Mal fragte, ob ich nicht was essen, und wo ich denn hin wolle.

Ich überlebte die Gasse und fand mein Hostel. Dort wurde ich herzlich und sorgenfrei begrüßt, wie als wäre es das normalste der Welt, dass jeder dort heile ankommt.

Vielleicht war doch nicht so viel dran an all den vermeidlichen Gefahren, die man in Marrakesch unbedingt umgehen sollte. Ich nahm mir vor, der Stadt und den Menschen in den nächsten Tagen offener zu begegnen.

 

Ankunft: Abendessen

 

Bevor ich jedoch im Hostel schlafen gehen konnte, musste noch etwas Essbares her. Der arme Restaurantbesitzer, an dem ich hinter der nun gar nicht mehr so unheimlichen Linksabbiegergasse nun zum vierten Mal vorbeilief, musste beobachten, wie ich erneut seine Essenseinladung ablehnte. Und stattdessen direkt gegenüber im Porte Du Monde verschwand, welches in den nächsten Tagen mein Standardrestaurant werden sollte.

Hier genoss ich eine köstliche Tajine, meinen ersten marokkanischen Pfefferminztee und die Ruhe auf der Dachterrasse. 

Was man eben so zu sich nimmt, wenn man gerade Teil von 1001 Nacht geworden ist.

Die Luft roch nach warmem Sommerabend, unter mir knatterten hier und da Motorräder vorbei, um mich herum gaben bunte Lampen warmes Licht von sich, ich saß auf einer typischen marokkanischen Dachterrasse, wo ich einen typisch marokkanischen Pfefferminztee und eine typisch marokkanische Mahlzeit zu mir nahm und in der Dunkelheit der anbrechenden Nacht brauchte es nicht mehr viel, um mir das Gefühl zu geben, in einem anderen Jahrhundert, an einem fast magischen Ort fernab von zu Hause gelandet zu sein.

 

 

 


 

Tag 1: Architektur aus einer anderen Welt

 

Die Saaditengräber

 

Mit meiner Karte aus dem Lonely Planet, die eine schöne Route durch die Stadt entlang der wichtigsten Sehenswürdigkeiten aufzeigt, bin ich also am nächsten Morgen losgestiefelt.

Es war warm und sonnig, erneut lagen lauter Gerüche in der Luft, die Gassen waren belebt und teilweise hektisch. Toll, wie ich fand. Für sowas war ich hergekommen!

Eher zufällig als geplant landete ich bei den Saaditengräbern von Marrakesch. Da hatte ich jetzt noch gar nicht hin gewollt, aber gut, wo ich jetzt schonmal hier war…

Für den winzigen Eintritt von 10 Dirham (etwa 1 €) trat ich durch die kurze Überdachung in eine von Maarakeschs Sehenswürdigkeiten und war sogleich in Stille getaucht. Man hörte nichts von den Geräuschen auf den Straßen, von den rufenden Händlern, den fahrenden Autos. Keine Menschen, die einem etwas verkaufen wollten oder einen in Gespräche verwickelten. Als ich dort war auch kaum Touristen, bis auf eine Reisegruppe mit Guide.

Vor allem aber ergriff mich die wunderschöne Architektur. Es war alles so fein, elegant, orientalisch. Ja, wenn ich an Orient denke, dann sieht er so aus: Mosaik an den Wänden, kleine, bunte Kacheln auf den Böden, Holzschnitzereien, filigrane Verzierungen in Decken, Säulen und überall, wo Platz dafür war. Mensch, war das schön! In der Mitte der kleinen Anlage gab es ein paar Bäume und Wiese, was dem ganzen den Eindruck einer richtigen Ruheoase verlieh.

 

 

Der El Badi-Palast

 

Meine Route ging weiter zum El Badi-Palast. Ich muss zugeben, dass ich von diesem ziemlich enttäuscht war, weil der Lonely Planet etwas von Reichtum und Glanz verlauten lies, welchen man der heutigen Ruine wirklich nicht mehr ansehen konnte.

Trotzdem waren die Ausmaße und der Baustil eindrucksvoll. Und die zahlreichen Storche auf den Mauern? Die waren wirklich wundervoll anzusehen.

Um ein Foto zu bekommen sprach ich hier einen älteren Mann an – Michelle, der noch an diesem Tag mein Freund werden sollte und den ich in Essaouira wiedertraf. Er berichtete, dass er schon vor etwa 20 Jahren in Marrakesch gewesen war. Auf meinen Einwand hin, dass sich seitdem sicher viel verändert habe, schüttelte er energisch den Kopf. Die Stadt sei immer noch wie früher.

Der Eintritt in den El-Badi Palast kostet ebenfalls 10 Dirham. Weitere 10 Dirham müsstet ihr für die Sichtung der 900 Jahre alten Minbar zahlen, eine islamische Gebetstreppe für den Imam.

 

 

Der Bahia-Palast

 

Nach der Ruine kam das nächste Highlight: Der zauberhafte Bahia-Palast. Der wunderschöne Palast hält hinter jeder Ecke einen magischen Anblick bereit. Er besteht aus 160 Räumen und diversen Innenhöfen. Die Räume sind heute nicht mehr möbliert, der Palast selbst zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zu Recht. Ich wollte ihn gar nicht mehr verlassen.

Der Nachteil seiner Schönheit: Er zieht massenweise Touristen an. Im wohl schönsten Innenhof des Palastes konnte ich bei meinem Besuch am Vormittag kaum vorwärts laufen, weil sich dort mehrere Reisegruppen versammelt hatten. Tiefer im Inneren wurde es zum Glück ein wenig leerer.

Was auch immer ihr in Marokko tut – den Bahia Palast solltet ihr euch in jedem Fall anschauen!

 

 

Die Medersa Ben Youssef

 

Durch Marrakeschs teils verwinkelte Gassen, vorbei an den betriebsamen Souks, wo mir immer wieder selbsternannte Guides die Lederproduktion am Rande der Stadt empfehlen wollten, ging es dann in den Norden der Medina. Hier besuchte ich die Medersa Ben Youssef. Marrakeschs alte Koranschule erinnert nicht nur an eine Zeit, in der die Religion das Leben der Kinder und Jugendlichen bestimmte, sondern beweist erneut Marrakeschs orientalischen Glanz.

Einst war die Medersa Ben Youssef die wichtigste und größte theologische Hochschule der islamischen Welt. Die Schüler lernten und lebten hier und widmeten sich Allah und dem Glauben.

Auch hier ist es ruhig, sobald man durch den Toreingang den Innenhof der Medersa betritt. Die Farben sind warm, die Verzierungen filigran, die Atmosphäre friedlich. Vielleicht weiß man solch eine Stille in Marrakesch auch erst zu schätzen, wenn man eine Zeit lang dem Trubel der Medina ausgesetzt war.

 

 

Tag 1: Henna

 

Nachdem ich den ganzen Tag durch die Stadt gestiefelt, Architektur wie aus 1001 Nacht bestaunt hatte und mich in den Souks und Gassen von Marrakesch verloren habe, fehlte mir instinktiv noch ein krönender und passender Abschluss: Henna.

Schnurstracks führte es mich in das Henna Art Cafè in Marrakeschs Medina. Es war in meinem Lonely Planet verzeichnet, aber vor allem war ich skeptisch gegenüber dem Henna, dass man so auf den Straßen bekam.

Das Henna Café wurde von einer Britin geführt, die seit ein paar Jahren in Marrakesch lebt. Ich war neugierig: Wie erlebte sie als Frau den Umgang mit den Männern in Marokko, und dass einen die Händler manchmal bedrängen, etwas zu kaufen? Nicht, dass ich diese Erfahrung selbst gemacht hatte, aber ich hatte viele Geschichten gehört.

Die flache Hand heben und weiterlaufen, lautete ihre Lösung. Nicht stehen bleiben. Und vor allem entschieden sein.

Während ich auf der Dachterrasse des Henna Art Café einen köstlichen Smoothie zu mir nahm, entschied ich mich schließlich für ein Henna, dass ich auf meiner Hand haben wollte. Die fleißigen marrokanischen Henna-Damen machten sich auch gleich an die Arbeit. Ich unterhielt mich derweil mit einem Pärchen aus Norwegen und später mit zwei Mädels aus Rumänien. Neuer Stoff für viele schöne Reiseträume.

Vor allem gab es genug Zeit dafür, denn das Henna war wohl nicht besonders trockenfreudig. Stattdessen mussten wir damit vor einen Heizstrahler, der wahrlich kein Wohlfühlfaktor war. Nach 30 Minuten hatte ich den Eindruck, jedes einzelne noch so kleine Härchen auf meiner Hand verkokelt zu haben und die Haut darunter gleich mit.

Aber immerhin: Das Henna-Tattoo sah danach wunderschön aus! Und es hielt wochenlang.

 

 


 

Tag 2: Parks in Marrakesch

 

Der Jardin Majorelle

 

An meinem ersten Tag in Marrakesch war ich viel gelaufen. Ich hatte Marrakeschs exotischen Trubel erlebt, aber auch traumhafte Ruhe, die sich anfühlte wie fernab von der Welt zu sein.

Heute, an meinem zweiten Tag wollte ich Marrakeschs grüne Seite kennen lernen. Und wo sollte das besser funktionieren, als im Jardin Majorelle, Marrakeschs wohl berühmtestem Park.

Der leider meinen Erwartungen überhaupt nicht gerecht wurde.

Jeder scheint von ihm zu schwärmen. Man muss ihn sehen, heißt es so oft. Er ist wirklich schön, so bunt. Er gehört zu einem Besuch in Marrakesch unbedingt dazu. Er sei so ruhig.

Pustekuchen. Er war voll, nicht ruhig. Er war schön, aber winzig. Und künstlich, alles hatte seinen Platz, es schien nichts zu geben, das einfach mal wild vor sich hin wuchs. Und bunt? Sicherlich bunter als die meisten anderen Grünanlagen Marokkos. Aber die schillernde Farbenvielfalt, von der die Leute so gern sprachen, fehlte mir inmitten der großen Kakteen und gepflasterten Wege dann doch.

Der schönste Ort im Park war die Parkbank, auf der ich mich am Ende meinem Lonely Planet widmete, um mir Inspirationen für weitere Grünanlagen für den Tag zu suchen. Ein schöner Vogel ließ sich auf der Bank neben mir nieder und verweilte dort. Er war so nah, und plötzlich war der Park um mich herum doch einmal friedlich. Für zwei Minuten, bis einige Touristen den Vogel mit ihren Kameras einfangen wollten und er davon flog.

Für über 7€ Eintritt empfand ich den Jardin Majorelle als unverschämt teuer. Vielleicht gibt es Tageszeiten, an denen man hier wirklich Idylle und Ruhe finden kann, einen Ort der Erholung in Marrakeschs staubigen Straßen.

Ich schien jedoch keine solcher Tageszeiten erwischt zu haben.

Der Jardin Majorelle war einfach nicht Marrakesch. Er war ein Garten für perfektionsbegeisterte Touristen, fernab vom Trubel der Medina, in Marrakeschs schniekem Viertel gelegen. Aber das wahre Marrakesch ist wild, betört alle Sinne, ergreift einen und zieht einen mit. Und dieses Marrakesch gefiel mir.

Schön war der Jardin Majorelle. Ja. Ihn mir noch einmal anschauen würde ich jedoch nicht.

 

 

 

Der Cyber Park

 

Auf Empfehlungen eines anderen Reisenden hin machte ich mich im Anschluss zu Fuß auf zum sogenannten Cyber Park. Ein alter Mann schnappte mich auf, er sah heruntergekommen aus, besaß kaum noch Zähne, roch unangenehm und war überaus motiviert, mir den Weg zu zeigen. Ich versuchte, ihm zu verdeutlichen, dass ich das nicht brauche, obwohl ich glaube, dass er es wirklich gut meinte.

Ich ließ ihn an einem großen Kreisverkehr hinter mir – und bog natürlich gleich falsch ab.

Ich begegnete einem spanischen Pärchen, welches mir ihren Stadtplan überließ, weil meine Offlinekarte auf dem Handy nicht so recht zuverlässig sein wollte.

Damit fand ich dann doch noch zum Cyber Park. Obgleich der Name an eine Science-Fiction Themenwelt erinnert, erwartete mich lediglich ein normaler Park. Genau genommen ist der ganze Park ein Projekt, den Einwohnern von Marrakesch einen bewussteren Umgang mit der Natur nahezubringen.

Gleichzeitig gibt es im Park kostenloses Wifi und Internetterminals. Unter der französischen Besatzung diente der Cyber Park als botanischer Garten, danach verkam er erstmal.

Heute bietet der Park weite Wiesen, Obstbäume, Brunnen und Ruhe.

Der Cyber Park ist frei zugängig, Eintritt muss man hier nicht zahlen und er ist nicht weit von den Mauern der Medina entfernt. Hier fühlte ich mich gleich viel wohler und friedlicher, als im touristischen Jardin Majorelle.

Anders als dort schien es in den Cyber Park überwiegend Einheimische zu verschlagen. Junge Frauen, die auf den Parkbänken tuschelten, eine Schulklasse, die auf den Grünflächen Klatschspiele spielte,  junge Paare, die sich verträumt in den Armen lagen und alte Männer, die schweigend die schattigen Bäume genossen.

Sicherlich weniger perfekt als der Jardin Majorelle, wenngleich auch sehr sortiert, war der Cyber Park gleichzeitig viel authentischer.

 

 

Tag 2: Medina, Souks und Türen

 

Nachdem ich mich in Marrakeschs Parks so schön erholt hatte, trat ich meinen Rückweg zum Hostel an. Der Weg führte mich erneut durch Marrakeschs Medina.

Entlang von Geschäften, befahrenen Straßen, Taxiständen mit Taxis, so weit das Auge reichte, engen Souks, vorbei an Düften, Fischresten auf dem Boden, bunten Laternen und schönen Türen atmete ich erneut die Luft des eigentlichen Marokkos ein, das eben nicht ganz so sortiert, aufgeräumt und anspruchslos ist, wie Marrakeschs Parks einen glauben lassen wollen.

Und klar, beides und noch viel mehr gehört dazu, zu Marrakesch. Aber wenn ich wählen müsste, dann würde ich auf die Parks verzichten und mich für das Leben auf den Straßen entscheiden.

Dort, wo Pfefferminztee getrunken wird. Dort, wo es hunderte kleiner Details zu entdecken gibt. Dort, wo jeder Zweite dich grüßt und dich fragt, wie es dir geht. Dort, wo du dich zwischen Eseln und Karren hindurch schlängeln musst, und zwischendurch ein Motorrad nur wenige Zentimeter an dir vorbeiknattert. Dort, wo Obst und Gemüse sich stapelt, wie als wären alle Vitamine der Welt gerade hier in Marrakesch gelandet.

Dort, wo du am liebsten an jeder Ecke stehen bleiben und schauen und etwas kaufen wolltest. Dort, wo man noch sieht, wie genäht wird, wie Schmuck hergestellt wird, in Holz geschnitzt wird. Dort, wo sich die Einheimischen warmherzig begrüßen, oder sich zwischendurch auch mal lautstark in die Haare kriegen, und am Ende doch jedes Mal friedlich auseinander gehen.

Wo Moderne und Altertum aufeinander treffen, man sich nicht verstecken braucht, aber gleichzeitig meint, in einer anderen Zeit gelandet zu sein.

Von allen Städten, in denen ich Marokko war, erschien mir Marrakesch als am authentischsten. Ich weiß, dass mir einige genau in diesem Punkt widersprechen würden. Aber Marrakesch hat alles vereint, was ich in anderen Orten von Marokko immer nur stückchenweise fand. 

 

 

Natürlich endete mein Tag wieder mit einem Abendessen beim Porte du Monde. Heute inklusive herzlichem Handschlag, gegenseitiger Freude, sich wiederzusehen und dem Gefühl, zu Freunden zurück gekommen zu sein.

 


 

Abschied: Das Ende einer kurzen Liebe

 

Am nächsten Morgen begann für mich von Marrakesch aus eine 3-tägige Wüstentour. Es hieß, für eine kurze Weile Abschied von Marrakesch zu nehmen.

Als ich nach meiner Wüstentour nach Marrakesch zurückkehrte, fühlte es sich schon fast so an, wie als würde ich jede Gasse und Ecke in der Medina kennen. Vermutlich hatte ich mich in den Tagen davor einfach oft genug verlaufen. Ich kehrte in dieser Nacht nicht in mein vorheriges Hostel zurück, sondern wurde in ein wunderschönes Riad umgebucht.

Ein Abschluss, der besser nicht hätte sein können.

Ich weiß, dass Marrakesch viele als zu laut betiteln. Als zu anstrengend, die Menschen als total unfreundlich, die Händler als zu aggressiv. Ich weiß, dass man in Marrakesch auch schlechte Erfahrungen machen kann.

Ich jedoch würde immer wieder nach Marrakesch zurückkehren. Auch als blonde, alleinreisende Frau, habe ich mich in Marrakesch wohler gefühlt, als in manchen anderen Gegenden Marokkos. Ich habe mich dort in den Lärm verliebt, die Mosaiken, die Geschäfte und das rege Leben in den Gassen. Ich habe gesehen, wie grün Marrakesch sein kann, und wie hilfsbereit und herzlich. Ich habe die angenehmen wie unangenehmen Gerüche Marrakeschs aufgesaugt und gesehen, dass beides zum Leben dort dazu gehört.

Nun hieß es aber erstmal für mich, weiterzuziehen, und mir ein detaillierteres Bild von Marokko zu machen.

Marrakesch ist möglicherweise mittlerweile im Wandel. Immer mehr Touristen kommen her und beeinflussen mit Sicherheit auch das Stadtbild. Sie öffnen aber auch Marokkos Blick auf die westliche Welt und ermöglichen einen Austausch in beide Richtungen.

Vielleicht ist Marrakesch nicht für jeden etwas. Der Stadt überhaupt keine Chance zu geben ist jedoch meiner Meinung nach der größte Fehler, den man derzeit machen kann.

 


 

Zusammenfassende Informationen über Marrakesch

 

Anreise:

Mehr zur Anreise nach Marrakesch erfahrt ihr in meinem Artikel: Anreise nach Marrakesch und wie Du vom Flughafen in die Stadt kommst

Fortbewegung vor Ort:

In der Medina bleibt euch nicht viel anderes übrig, als zu Fuß unterwegs zu sein. Dies ist jedoch gleichzeitig auch die allerbeste Variante, um die Altstadt richtig zu erkunden.

Außerhalb der Medina bieten sich Taxis an, die in Marokko prinzipiell ziemlich günstig sind und vermutlich euer Hauptfortbewegungsmittel werden. Ansonsten gibt es Busse für etwas längere Strecken, die beispielsweise ein Stück hinter dem Djemaa el Fna abfahren (An der Hauptstraße, wo die Pferdekutschen stehen).

Wie lange:

3 Tage nur für Marrakesch sollten es in jedem Fall sein, nach oben gibt es keine Grenze. Wer mag, kann noch eine Wüstentour anhängen oder sich auch für Marrakeschs Umgebung etwas Zeit einplanen.

Wann:

Im Sommer ist es in Marokko ziemlich heiß. Gerade in Marrakeschs engen Gassen oder den Souks kann das ziemlich unangenehm werden. Am empfehlenswertesten sind der Frühling und Herbst, ideal die Monate April/Mai und September/Oktober.

Internet & Strom:

Internet gibt es in den Unterkünften und in manchen Cafés und Restaurants. Wer möchte, kann sich eine marokkanische Sim-Karte mit Datenvolumen besorgen.

Für den Strom benötigt ihr keinen Reiseadapter. Unsere normalen deutschen Stecker passen.

Was tun:

Sich in der Medina treiben lassen, den Djemaa el Fna bei Nacht erleben, Souvenirs einkaufen. Die Architektur wie aus 1001 Nacht bestaunen und die Hauptsehenswürdigkeiten nicht auslassen.

Was essen:

Die traditionellen Tajinen und Couscous.

Nicht fehlen sollte natürlich Pfefferminztee.

Wenn ihr könnt, dann sucht euch nette Dachterrassen zum Essen – oder ein traumhaftes Riad (kostspielig).

Wo schlafen:

Ich schlief einige Nächte im The Madrassa Hostel* in der Medina. Das Hostel war prinzipiell gut, mit meinem schwülen Zimmer war ich jedoch nicht zufrieden.

Wie im Traum fühlte ich mich wiederum im Riad La Caléche*, welches wirklich wunderschön war.

Prinzipiell kann ich empfehlen, euch nach einem schönen Riad umzusehen, in dem ihr übernachten könnt. So ist eure Marrakescherfahrung sogar noch authentischer.

Wie viel kostet:

  • die Nacht im Hostel: ab 5 €
  • eine Tajine: 4 €
  • das Taxi vom Djemaa El Fna zum Jardin Majorelle: ca. 2,50 €
  • Henna im Henna Café: ab 6 €

Touristeninformation und Karte:

Hier geht es zur Seite der Touristeninformation von Marrakesch.

 

 


 

Abschließende Worte

 

Marrakesch hat es mir angetan. Bereits in den ersten Minuten, entlang der teils staubigen Straßen, umgeben von knatternden Motorrädern und Straßenchaos, spätestens aber beim Betreten der Medina wusste ich, wie gern ich die Stadt haben würde. Vielleicht werdet ihr es anders erleben – aber ihr solltet es auf keinen Fall versäumen, es herauszufinden und wenigstens einmal in den Ort wie aus 1001 Nacht einzutauchen.

 

Weiterführende Artikel:

♦ Jana von Sonne & Wolken hat ihre Do’s und Don’t für Marrakesch aufgelistet und mit schönen Fotos geschmückt
♦ Bolle & Marco von Komm‘ wir machen das einfach versetzen mich mit ihren Berichten aus Marokkos Hauptstadt gerne mal in Sehnsuchtsnafälle.
♦ Elke beschreibt auf ihrem Blog Meerblog beinahe poetisch Marrakeschs Herzschlag – den Djemaa el Fna
♦ Marianna von Weltenbummler Mag führt euch in die kulinarischen Highlights von Marrakesch ein.

 

Wie hast Du Marrakesch erlebt? Bist Du einer derer, die nicht dorthin zurückkehren würden, oder geht es Dir wie mir und Du bist fasziniert von der Stadt? Welche Erlebnisse und Erfahrungen hast Du dort gemacht? Ich freue mich auf Deinen Kommentar! 🙂

 

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