Davit Gareja

Davit Gareja und Udabno im Herbst – Die ewige Weite Georgiens

Nichts. Kein Baum, keine Stadt, kein bunt, nicht mal der Himmel schenkte an diesen zwei Tagen im Herbst Farbe. Hier, in der endlosen steppenartigen Landschaft Georgiens, die die meisten nur entdecken, weil sie sie auf dem Weg zum Kloster Davit Gareja durchqueren müssen. Dabei bietet die karge Weite noch etwas ganz Anderes: Frieden und Ruhe. Und eine Schönheit, die vielleicht nicht bunt, nicht aufregend oder fordernd ist, aber sehr wohl atemberaubend. Und diese kann man in dem kleinen Dorf Udabno völlig aufsaugen.

 


 

1) Die Fahrt nach Davit Gareja

 

Wer das Kloster Davit Gareja am Berg Udabno im Südosten Georgiens besuchen möchte, kann dafür ausnahmsweise einmal nicht auf die alles vernetzenden Maschrutkas zurückgreifen.

Oder irgendwie doch, aber nur im Rahmen der Davit Gareji Linie. Diese organisierte Fahrt zum Kloster startet jeden Tag um 11 Uhr am Freedom Square in TiflisVorher anmelden kann man sich dafür nicht, stattdessen heißt es einfach gegen 10.30 Uhr da sein und warten, bis die Fahrt los geht. Keine Sorge: Es gibt genug Autos, damit alle mitkönnen.

Am Treffpunkt bekommt man von einer englischsprachigen Georgierin einen Flyer mit wichtigen Informationen zum Ablauf der Tour und einem Laufweg beim Kloster Davit Gareja.

Für 25 GEL Hin- und Rückfahrt macht man es sich dann in einer der Maschrutkas „gemütlich“ und los geht die Fahrt.

Auf der dreistündigen Fahrt darf ich bereits beobachten, wie sich die Landschaft verändert. Sie wird karger, weiter, geheimnisvoller. Vegetation scheint es hier schwer zu haben und der graubehangene Himmel taucht alles in eine mystische Decke. Auf brüchigen Straßen und Schotterwegen schunkelt der Schuttlebus bei teilweise nur 5 km/h in Richtung Bergwelt.

Es geht durch ein Dorf hindurch – das Dorf Udabno. Hier wird die Tour auf dem Rückweg für ein Abendessen halten. Jetzt aber passieren wir die paar kleinen, trostlos wirkenden Häuschen lediglich beim Fahren, vorbei an Schweinen auf der Straße, kleinen, umzäunten Weiden und bellenden Hunden. Ansonsten: Nichts.

 

 


 

2) Das Kloster Davit Gareja, der Berg Udabno und die Grenze Georgiens

 

Gegen 14 Uhr halten wir schließlich am Fuße des Klosters Davit Gareja und somit auch am Fuße des Berges Udabno. Wir bekommen drei Stunden, um die Gegend zu erkunden. Angeblich genug Zeit, um den Berg einmal hoch zu steigen und zu umrunden, aber ich merke schon nach einer halben Stunde, dass ich am liebsten länger bleiben würde.

Alle drei Schritte stockt mir der Atem und ich zücke die Fotokamera. Ich fühle mich wie in einer anderen Welt. Hatte ich auf der Fahrt nach Davit Gareja noch Sorge, dass der grauweiße Himmel die Sicht nehmen würde, erkenne ich jetzt, dass er sie geradezu perfektioniert.

Denn er verschafft der schieren Weite, die mich umgibt und sonst ganz sicher endlos sein muss, ein Ende. Er zeigt mir, dass die surreale Umgebung real ist.

Der Aufstieg zum Kloster ist kurz und schmerzfrei. Viel zu sehen gibt es hier jedoch auch nicht, und so setze ich zügig meinen Weg zum Kamm des Berges Udabno fort. Ich will nach oben, will die andere Seite sehen und die Höhlen, die dort auf einen warten.

Der kleine und steile Pfad den Berg hinauf bietet mir zahlreiche Entschuldigungen, stoppen zu müssen, um ein Foto zu schießen. Zu staunen über die Leere um mich herum, die es doch schafft, einen mit zahlreichen Rot-, Braun- und Gelbtönen zu bestechen. Ja, es wachsen sogar grüne Sträucher und dürre Blumen am Wegesrand. Hier, auf der windigen Höhe scheinen sie einen mutigen und stolzen Kampf ums Überleben zu führen. Und zu gewinnen.

Schließlich erreiche ich die Spitze. Ich setze mich auf einen Stein. Diese Aussicht braucht keinen Soundtrack. Sie nimmt einem auch so den Atem.

Mit Georgien im Rücken stehe und blicke ich plötzlich auf Territorium Azerbaijans. Ein Grenzübergang, wegen dem es bereits seit vielen Jahren Diskussionen zwischen den beiden Ländern gibt.

Für mich in diesem Moment schwer zu begreifen, habe ich doch Kilometerweit vor mir überhaupt nichts, um das es sich zu streiten lohnen würde. Außer schweigende Steppe, und dann irgendwann, weit weg am Horizont, einen See.

Ein paar Adler fliegen über meinem Kopf, auf einmal fängt es an zu regnen. Schnell trete ich den Rest meines Weges an, der mich nun an den bekannten Höhlen von Davit Gareja vorbei führt. Für viele ein spannendes Highlight des Ortes wirken sie auf mich nun regelrecht unbedeutend im Vergleich zu der Landschaft, die mich umgibt.

Auch auf dem Rückweg zum Fuße des Berges Udabno schieße ich noch Fotos. Als ich sie mir später ansehe denke ich, dass viele von ihnen sich ähneln. Beim Laufen jedoch hatte ich nach jedem Schritt den Eindruck, eine neue Welt vor mir zu sehen.

 

 


 

3) Das Dorf Udabno und der Oasis Club

 

Mit der Maschrutka geht es schließlich wieder zurück Richtung Tiflis. Wie erwähnt halten wir vorher noch im kleinen Dorf Udabno. Dort haben zwei Polen ein Restaurant eröffnet – den Oasis Club.

Wogegen der Bus den Rest der Passagiere nach dem Abendessen zurück nach Tiflis bringt, checke ich mit meinem Rucksack für eine Nacht im anliegenden Hostel ein.

Schnell stelle ich fest, dass der Oasis Club tatsächlich eine Oase ist. Für internationale Gäste, junge Leute, die hier ein Workaway machen, für Einheimische, die abends dazu stoßen, um etwas zu trinken, beim Filmabend teilzunehmen, Karten zu spielen. Mitten im Nichts hat sich hier ein Ort entwickelt, an dem verschiedene Leute zusammenkommen, um eine schöne Zeit zu haben.

Es gibt keinen Stress, keine Eile. Jeder kennt jeden und wer neu ist, wird schnell beschnuppert.

Das Hostel ist einfach, aber strahlt mehr von dem aus, was diesen Ort ausmacht. Eine gewisse Hippie-Stimmung, und Ruhe.

Am nächsten Tag regnet es die ganze Zeit in Strömen. Ich will mich davon nicht unterkriegen lassen und wage mich nach draußen, will ein wenig wandern. Ich merke schnell, dass es anstrengend ist, mit zentimeterdickem Matsch unter den Schuhen zu laufen, der sich dort ganz beharrlich ansammelt. Auch wird es schnell zu kalt, aber selbst die halbe Stunde hinein in den Nebel hat sich gelohnt – irgendwie ist das hier einfach ein spezieller Ort.

Ich entschließe mich, stattdessen den Rest des Tages mit warmen Suppen, Tee und einem Buch im Oasis Club zu verbringen. Später teile ich mir mit drei Niederländerinnen ein Taxi zurück nach Tiflis und habe gleich wieder Sehnsucht.

Nach Davit Gareja, dem Blick über Azerbaijan, der Weite, der Stille, dem so urtümlichen Leben im Dorf Udabno und den Adlern, die über Davit Gareja hinwegschweben, wie als wären sie die Könige der Welt.

Mein einziger Wehmutstropfen: Ich wäre gerne zu einer Zeit hierher gekommen, wo die Sonne schien. Wo man draußen sitzen, den Stillstand aufsaugen konnte. Hätte die ganze Gegend gerne mal in Grün gesehen. Eines Tages komme ich vielleicht wieder.

 

 


 

4) Zusammenfassende Informationen zu Davit Gareja und Udabno

 

Anreise:

Mit der Davit Gareji Line kommt ihr für 25 GEL nach Davit Gareja und zurück. Bei der Rückfahrt stoppt ihr immer beim Oasis Club in Udabno.

Ein Taxi von Udabno nach Tiflis kostet etwa 80 GEL, bis zum Kloster Davit Gareja solltet ihr mit mehr rechnen, da die Straßen dort sehr schlecht sind und ihr von Udabno aus noch etwa eine Dreiviertelstunde Fahrt vor euch habt.

Fortbewegung vor Ort:

Sowohl in Udabno als auch beim Kloster braucht ihr vor allem eins: Fitte Füße. Eine andere Möglichkeit der Fortbewegung habt ihr nicht. Udabno ist sehr klein, hier gibt es keine Probleme. Wer bei Davit Gareja den Berg einmal umrunden möchte, sollte 2-3 Stunden einplanen und muss sich auf einen Auf- und Abstieg einstellen.

Wie lange:

Das Kloster Davit Gareja lässt sich wunderbar und ohne viel Stress von Tiflis aus als Tagesausflug besichtigen. Lediglich auf die dreistündige Hin- und Rückfahrt im Minibus müsst ihr euch einstellen.

Die meisten nutzen Udabno wirklich nur als Zwischenstopp für ein Abendessen. Ich persönlich kann es ans Herz legen, hier ein oder zwei Nächte zu verweilen. Euer Gepäck kann in der Maschrutka verstaut werden, sagt nur dem Fahrer Bescheid, dass ihr von Udabno aus heute nicht mehr mit zurück fahrt.

Wann:

Im Herbst ist die Landschaft um Davit Gareja wie karge Steppe, die eher durch Gelb- und Brauntöne fasziniert. Wenn ihr Pech habt (wie ich), kann es regnen.

Im Frühling und Sommer dagegen kann sich die Steppe auch von einer saftig grünen Seite zeigen. Die Wanderung beim Kloster kann jedoch wegen der Hitze gerade Mittags sehr anstrengend sein.

Internet & Strom:

In Udabno gibt es im Oasis Club Wlan, welches je nach Nutzung hin und wieder sehr langsam sein kann. Eine gute Gelegenheit zur Entschleunigung. Wer lieber erreichbar bleiben möchte, kann sich vorher in Tiflis eine Sim-Karte mit Datenvolumen besorgen.

Steckdosen gibt es sowohl im Hostel als auch im Oasis Club Restaurant.

Was essen:

Im Dorf Udabno gibt es einen wirklich kleinen Laden, der eher zum Einkauf von Snacks oder Wasser zu gebrauchen ist. Wollt ihr euch selbst versorgen, solltet ihr Lebensmittel aus Tiflis mitbringen, das Hostel hat eine eigene Küche.

Ansonsten gibt es im Oasis Club köstliche Suppen, leckeren Käse und gutes Brot zum fairen Preis.

Wo schlafen:

Das Udabno Hostel* ist das einzige Hostel in der Gegend von Davit Gareja. Das Udabno Hostel hat jedoch auch 5 kleine private Holzbungalows, falls ihr keinen Schlafsaal möchtet.

Wie viel kostet:

  • ein Bett im Hostel: 20 GEL
  • eine Suppe im Oasis Club: 8 GEL
  • Wäsche waschen: umsonst
  • Frühstück im Oasis Club: 10 GEL

Karte:

 


 

Abschließende Worte

 

Davit Gareja in Georgien hat mich fasziniert. Das Kloster am Berghang allein ist vielleicht nicht besonders spektakulär, die Landschaft ist es jedoch allemal. Im Dorf Udabno kann man sich anschließend für eine Weile der Entschleunigung hingeben.

 

Weiterführende Artikel:

 

♦ Oliver von Weltreiseforum hat Davit Gareja bei wärmeren Temperaturen erlebt
♦ Stefan von Burning Feet begegnet seinem Besuch bei der Klosteranlagae mit viel Humor
♦ Jean-Mathieu von Jeanmathieu.de bietet schöne Fotos von der Gegend und dem Oasis Club
Bei der Motorradtour von Karin von RCG on Tour zeigte sich Davit Gareja von seiner grünen Seite

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