Portugal Sintra Tagesausflug

Sintra: Der Ort bei Lissabon, an dem Märchengeschichten wahr werden

Einmal wollte ich vielleicht hin, am Ende war ich zweimal dort und wäre auch gerne noch ein drittes Mal wiedergekommen. Nach Sintra, dem fantastischsten Ort in Portugal in der Nähe von Lissabon. Wieso mich Sintra so verzaubert hat und wieso das vermutlich fast jedem so geht, berichte ich euch hier.

 


 

1) Die Stadt Sintra als Märchenparadies – und ihre Bedeutung für Portugal

 

Kaum vorstellbar, dass es Märchen gibt, die nicht hier entstanden sind. In Sintra scheinen Kleinmädchenträume von bunten Prinzessinnenschlössern, Rittern auf ihren Burgen und verwunschenen Gärten greif- und ganz und gar erforschbar.

Sintra ist 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt worden. Nicht etwa eine Straße, ein Haus, eine Ruine, nein, die ganze Stadt. Und das zu Recht, immerhin tummeln sich in und um Sintra dutzende wertvolle und teils uralte Schätze, die es zu besichtigen gilt.

Sintra ist mit dem Zug von Lissabon aus einfach und schnell zu erreichen. Etwa eine Stunde dauert die Fahrt, weshalb sich viele Sintra als Tagesausflug von Portugals Hauptstadt aus vornehmen. Eigentlich viel zu kurz für all die sehenswerten Orte dort.

Durch Sintras Schönheit und die Nähe zu Lissabon ist die Stadt ein ziemlicher Touristenmagnet. Sogar im November waren die Hauptattraktionen ziemlich voll, im Hochsommer möchte ich mir die Stadt tatsächlich lieber nicht ausmalen. Wenn ihr im Frühling oder Herbst in Portugal seid, habt ihr also Glück.

In Sintra hatten früher Portugals Könige ihre Sommerresidenz, hoch oben im Sintra-Gebirge, welches sich bis zum westlichsten Punkt Europas zieht.

 

 


 

2) Wenn von Burgen märchenhafte Ruinen verbleiben: Castelo dos Mouros

 

Die Burg der Mauren, wie Castelo dos Mauros übersetzt wird (oder Moorish Castle auf Englisch), wurde im 8. Jahrhundert auf Sintras Bergen im Wald errichtet. Nachdem der portugiesische König sie um 1147 eroberte und eine christliche Kapelle errichten ließ, wurde die Burg immer weniger genutzt. Sie zerfiel zunehmend.

In der Epoche der Romantik im 19. Jahrhundert wurden große Teile der alten Burgruine restauriert, wobei überwiegend den Mauern Beachtung geschenkt wurde. Auch erfolgte zu dieser Zeit eine neue Bepflanzung um die Burg.

Wenn man heute den Weg zur Maurenburg antritt, begegnen einem die Burgmauern erstmal nur unauffällig von außen. Tritt man dann durch den Toreingang in die Ruine hinein erschließt sich einem recht schnell, wie weitläufig die Mauern sind. Das Castelo dos Mouros ist wie ein kleiner Abenteuerspielplatz, auf dem man auf Mauern klettert, von Stein zu Stein springen oder Stangen runter rutschen kann.

Und dann dieser atemberaubende Ausblick – Wahnsinn!

In der Ferne erblickt man vom Castelo dos Mouros übrigens den nächsten Schatz Sintras – den königlichen Sommersitz Palácio da Pena.

 

 


 

3) Das Märchenschloss der portugiesischen Könige – Palácio Nacional da Pena

 

Das portugiesische Neuschwanstein, wie Reiseführer das Schloss Pena gerne nennen, scheint aus einer ganz anderen Welt zu kommen. Ein vergleichbares Schloss habe ich bisher jedenfalls noch nicht gesehen.

Eins fällt gleich beim Blick auf den ehemaligen Sommersitz der portugiesischen Könige auf: Er ist ganz schön bunt!

Wo ich gerade eben noch von Rittern geträumt habe, finde ich mich nun in den Mädchenfantasien über Prinzessinnen wieder.

Die Außenmauern des Schlosses lassen sich bereits begehen, wenn man nur den Eintritt für den Park bezahlt. Lasst euch nicht von dem Ticketverkauf beim Schlosseingang verunsichern (so wie ich), die Tickets dort gelten für den Eintritt ins Schloss, also in die Innenräume.

Auch diese sind spannend zu besichtigen und bieten Gold, Stuck, Geweihe, alte Möbel und eine Schlossgroßküche. Am beeindruckendsten fand ich jedoch wirklich die Architektur des Schlosses selbst, das hinter jeder Kurve und Ecke ein neues Augenfunkeln hervorruft. Von den Schlossmauern bietet sich ein unheimlich weiter Blick. Dabei fällt übrigens auf, dass ein Teil des Schlosses direkt in den Fels gebaut wurde.

Das Schloss ist umgeben von einem weitläufigen Park, der seinerseits einige Sehenswürdigkeiten bietet. Hier gibt es sowohl gepflegte Rosengärten als auch wild überwucherten Waldboden. Kleine Kapellen, Lieblingsorte der Königinnen und Spazierwege treffen im Park aufeinander und wirken hier und da ganz verwunschen.

Das Highlight des Parks ist wohl der steinige Hügel, den es zu erklimmen gilt, um bis in die Wolken zu gelangen – oder bei klarem Wetter bis zum Meer sehen zu können. Ein großes Kreuz aus Stein leistet einem auf der Spitze Gesellschaft. Wenn man nicht gerade Pech hat und sich den Felsen mit anderen Touristen teilen muss.

 


 

4) Märchenparadies par excellence: Quinta da Regaleira und Park

 

Startet man von Sintras Zentrum aus, braucht es etwa 20 Minuten zu Fuß zum Quinta da Regaleira.

Ich sag’s euch direkt: Obwohl ich das Quinta da Regaleira zuletzt aufzähle, ist es mein persönliches Highlight in Sintra gewesen.

Das Gebäude ist noch gar nicht so alt. 1904 erfüllte sich mit dem Bau ein portugiesischer Millionär seinen Traum. Und meinen irgendwie auch, das allerdings nicht nur wegen des Gebäudes. Das Schlösschen wirkt ganz und gar märchenhaft, nachts könnte man es vielleicht sogar als unheimlich bezeichnen, wie eines dieser Geisterhäuser aus Gruselfilmen.

Drin war ich nicht, dafür gab es im Park um das Quinta da Regaleira zu viel zu sehen.

Und erst hier entfaltet sich einem die volle Bedeutung des Wortes „märchenhaft.  Es gibt Geheimgänge, unterirdische Tunnel und wasserdurchflutete Höhlen, durch die man sich im Dunkeln schleicht. Außerdem prächtige Aussichtstürme und gekachelte oder mosaikbesetzte Mauern. Dabei alles Moosbewachsen, wie als würde der Ort bereits in Vergessenheit geraten.

Am bekanntesten sind aber wohl die Brunnen des Parks, von denen ich hätte schwören können, dass sie schon in zahlreichen Fantasiefilmen als Filmmaterial dienten – eine Recherche dazu brachte jedoch keine Ergebnisse. Dann bleibe ich einfach dabei, dass sich hier Märchen zugetragen haben.

Wie sonst ist es mit der Realität vereinbar, dass da ein riesiger und wasserloser Brunnen existiert, den man über steinige Wendeltreppen hinab- oder hinaufsteigen kann. Der wiederum einerseits mit einer unterirdischen Kapelle, andererseits mit den oben genannten Höhlen verbunden ist und man sich dann plötzlich bei einem vollkommen algenbedeckten Teich wiederfindet.

Nichts im Park des Quinta da Regaleira folgt einer erkennbaren Rationalität. Man könnte meinen, hier sei ein leicht wahnwitziger Künstler am Werke gewesen statt eines geschäftstüchtigen Millionärs.

Das Ergebnis jedenfalls sucht seinesgleichen. Ich glaube, dass ich auch ein zweites und drittes Mal zum Quinta da Regaleira zurückkehren könnte und immer noch staunen würde über die verwunschene und märchenhafte Atmosphäre des Anwesens und des Parks.

 

 


 

Zusammenfassende Informationen über Sintra

 

Anreise:

Von Lissabon aus fährt etwa alle 30 Minuten ein Zug vom Bahnhof Rossio nach Sintra. Die Fahrt dauert etwa 40 Minuten. Das Ticket für die einfache Fahrt kostet euch 2,20€.

Transport vor Ort:

Wenn ihr längere Fußwege in Kauf nehmt, könnt ihr das ein oder andere selbstständig erreichen (z.B. das Quinta da Regaleira). Das Schloss Pena sowie die Maurenburg liegen jedoch vom Zentrum weiter entfernt und alle drei weit auseinander.

Ansonsten gibt es einen Hop on/Hop off Bus in Sintra. Der Bus mit der Nummer 434 fährt von Sintras Zentrum zum Schloss Pena und auch zur Maurenburg. Ein weiterer Bus bedient das Quinta da Regaleira sowie weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Hier gibt es weitere Infos (portugiesisch). Das Ticket kostet 5,50€ beim Kauf im Bus und ermöglicht eine Rundfahrt, bei der man jeweils einmal überall aussteigen und wieder einsteigen kann.

Wie lange:

Mindestens 2 Tage. An diesen könnt ihr die 3 Hauptsehenswürdigkeiten Sintras, wie hier beschrieben, in Ruhe besichtigen. Sehr viel besser wären 3 oder 4 Tage, um auch noch die übrigen Kulturstätten in der Umgebung anzusehen.

Wann:

Im Sommer kann es ziemlich heiß werden. Zwar hilft die Höhenlage ein wenig, um zu Fuß die Berge zu erklimmen und spazieren zu gehen kann es dennoch fast zu warm sein. Besser geeignet sind Frühling und Herbst.

Was tun:

Unbedingt die Maurenburg, das Schloss Pena und das Quinta da Regaleira besichtigen mit den dazugehörigen Parks. Kind sein und träumen. Die Stadt selbst erkunden.

Was essen:

Viele Restaurants bieten günstige Menüs für Touristen an. An Essensmöglichkeiten mangelt es prinzipiell nicht.

Wo schlafen:

In Sintra selbst gibt es ein paar Hostels*, die überwiegend sehr gut bewertet sind und sich preislich in der Nebensaison auch total sehen lassen.

Auch das ein oder Gästehaus* und Hotel* gibt es.

Ansonsten gibt es in Lissabon natürlich zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten, von wo aus man Sintra dann als Tagesausflug besuchen kann.

Wie viel kostet:

  • der Eintritt ins Schloss Pena + Park: 11,50 €
  • der Eintritt nur in den Park: 6,50 €
  • der Eintritt ins Quinta da Regaleira: 6 €
  • der Eintritt in die Maurenburg:  6,50 €
  • Rundbus 434: 5,50 €

Touristeninformation und Karte:

Hier geht es zur Homepage der Touristeninformation.

Hier gibt es Details zum Quinta da Regaleira.

Hier gibt es Infos zu den restlichen Sehenswürdigkeiten.

 

 


 

Abschließende Worte

 

Kein Ort hat mich in Portugal so fasziniert wie die Kulturlandschaft des UNESCO-Weltkulturerbes Sintra. Vielleicht sogar noch kein anderer Ort irgendwo auf meinen Reisen. Wie ich es in der Überschrift bereits schrieb: Hier werden Märchengeschichten wahr und plötzlich greifbar. 

 

Weitere Artikel zu Portugal:

♦ Guide und Tipps: Backpacking in Portugal
♦ Lagos Tipps: Meine 5 Top Empfehlungen für die Stadt an der Algarve
♦ Portugal Kosten: Backpacking mit geringem Budget durch Europas westlichstes Land

 

Weiterführende Artikel:

♦ Daniel von Fernwehblog hat einen Artikel vor allem dem Palácio Nacional da Pena gewidmet
♦ Doreen von She is on the road again gibt wertvolle Tipps zur Anreise mit dem Auto und berichtet über das Quinta da Regaleira
♦ Elke von meerblog hat stattdessen ein Tuk Tuk für die Fortbewegung in Sintra genutzt.

 

Welcher Ort in Sintra hat Dich am meisten begeistert oder was würdest Du dir noch anschauen, wenn Du nochmal dorthin kämst? Wie hast Du Sintra im Sommer erlebt – war es sehr voll? Ich bin gespannt auf Deine Berichte.

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5 Kommentare für “Sintra: Der Ort bei Lissabon, an dem Märchengeschichten wahr werden

  1. Hallo liebe Marie, ich kann deine Begeisterung für Portugal absolut verstehen! Auch wenn ich die Architekturen in Sintra teilweise eher seltsam fand. Dazu passten die obskuren Geschichten unseres TukTuk-Guides. 🙂 Sintra ist ein toller Ort, wunderbar gelegen. Warst du dort auch am Meer? Ich leider nicht, es soll aber sehr schön sein und ist gar nicht so weit entfernt. Jedenfalls danke für deine Erwähnung! Liebe Grüße von der Nordsee, Elke

    1. Hallo Elke,

      am Meer war ich leider auch nicht, ich habe es nur von oben gesehen. Dafür war ich danach lange an der Algarve und dort dann am Meer.
      Sintra wird für mich wohl auch eher ein Ort bleiben, den ich gerne an Land eingehend erkunde ;).

      Beste Grüße zurück an die Nordsee,
      Marie

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