Heimat und Reisen

Roundup: 6 Reiseblogger sprechen über Heimat und Reisen

Heimat. Ohne sie kann ich mir das Reisen nicht vorstellen. Aber was genau bedeutet „Heimat“ eigentlich, gerade in einer Zeit, in der viele von einem ortsunabhängigen Leben träumen? Ich habe 6 Reiseblogger gefragt, wo und was für sie Heimat ist und wie bei ihnen Heimat und Reisen zusammenpassen. Dabei sind viele spannende Perspektiven und Schilderungen zusammengekommen. 

 


 

1) Melina und Phil von „So viel zu erleben“

 

Heimat und Reisen Saarland
© So viel zu erleben

 

Was macht Heimat für euch Zwei aus?

 

Heimat ist für uns dort, wo wir uns geborgen fühlen. In unserem geliebten Saarland fühlen wir uns nicht nur deshalb so heimisch, weil all unsere Freunde und Familienmitglieder dort leben, sondern auch weil die Saarländer einen unglaublichen Zusammenhalt zelebrieren. Wenn wir nach einer Reise auf der Autobahn am „Herzlich Willkommen im Saarland“-Schild vorbeifahren, stellt sich bei uns immer sofort ein Glücksgefühl ein.

 

Könntet Ihr euch vorstellen, ein Nomadenleben ohne festen Wohnsitz zu führen?

 

Niemals würden wir freiwillig unser Leben, so wie es jetzt ist, aufgeben, unsere Arbeit und Wohnung kündigen und alles hinter uns lassen. Auch wenn der Traum einer Weltreise seit längerem in uns schlummert, sind wir einfach nicht für ein Nomadenleben gemacht. Dafür sind wir viel zu sehr mit unserem geliebten Saarland verwurzelt. Wir lieben es genauso sehr die Welt zu entdecken, wie auch wieder nach Hause zu kommen. Und so sehr wir uns auf unseren Urlaub freuen, so sehr freuen wir uns auch wieder auf unser Zuhause.

 

Wie vereinbart Ihr das Leben zu Hause mit dem Reisen?

 

Da wir beide in Vollzeit berufstätig sind und uns leider nur wenige Urlaubstage zur Verfügung stehen, haben wir eine einfache, aber effektive Möglichkeit gefunden, wie wir trotz Arbeit so viel wie möglich erleben können: Daheim „reisen“. Fast jedes Wochenende sind wir unterwegs und machen Tagesausflüge in der näheren Umgebung. Viele Menschen interessieren sich nur für die große weite Welt, wissen aber gar nicht, wie wundervoll die eigene Heimat sein kann.

 

Philipp und Melina reisen seit 5 Jahren gemeinsam um die Welt. Nachdem viele Freunde nach Geheimtipps für Städtereisen oder fremde Länder fragten, wurde www.sovielzuerleben.de geboren. Auf ihren Blog teilen sie aber nicht nur ihre Erlebnisse aus der großen weiten Welt, sondern berichten auch von vielen Ausflugszielen, die man in ihrer Heimat – dem Saarland – und in der Umgebung besuchen kann.

 

 

 

 


 

2) Eddy von „Bonvivant @ Work“

 

© Bonvivant @ Work

 

 

Was bedeutet Heimat für dich?

 

Auf meinen Reisen werde ich oft gefragt: Wo kommst Du her?  Fast nie wird nach „Heimat“ gefragt. Auch nicht von deutschen Gesprächspartnern. Vielleicht ist das so, weil der Begriff der Heimat im Deutschen etwas gefühlsbetonter ist, als beispielsweise das „home“ im Englischen oder die „tierra“ des Spanischen.

Heimat umfasst all dies. Das Zuhause (home) – oder zu Hause fühlen – die Erde (tierra), der man entstammt und wo eines Wurzeln sind. Heimat, das ist wohl der Dreiklang aus Gefühl des Dazugehörens, der Geborgenheit und der Wurzeln.

Heimat ist dort, wo man nicht viel erklären muss. Wo es so riecht, wie es schon immer gerochen und so schmeckt, wie es schon immer geschmeckt hat. Die Wiesen und Wälder vor der Tür, das Essen in Mutters Küche. Vertraute Menschen, vertraute Sprache, vertraute Lieder. Folklore ? Ja, auch das, aber es geht viel tiefer.

Meine Heimatorte, um diese Frage auch zu beantworten, sind Siebenbürgen (dort geboren), der schöne Schwarzwald (aufgewachsen) sowie die Hansestadt Hamburg, wo ich mein Herz verloren habe. Heimisch wiederum fühle ich mich bei vielen Freunden auf der Welt und brauche dazu noch nicht einmal Bier und Bratwurst. Ein Rinderfilet vom Grill sowie ein wohltemperierter Malbec tun es da auch…

 

Was sagst Du zum Leben der digitalen Nomaden?

 

Der digitale Nomade? Nun, heimisch fühlen kann man sich vielerorts. An Orten die angenehm zu beleben sind oder im Schwarm von Gleichgesinnten und Freunden. In Ländern, in denen man – wie es so schön heißt – Wurzeln zu schlagen beginnt. Aber wahre Heimat wird das selten sein.

Schicksal der digital nomads ? Ich weiß es nicht. Für mich jedenfalls schließe ich ein ständiges Nomadenleben aus. Meine Familie im Schwarzwald würde da nicht mitspielen, bin mit Ü40 vielleicht auch zu alt. Dafür spendet sie mir Kraft für meine vielen kurzen Reisen, zu denen ich sehr gerne aufbreche und von denen ich auch allzu gerne wieder zurückkehre.

Wieder in der Heimat, wird dann der nächste Trip in die Welt geplant. Man hat sie ja sowieso immer im Herzen dabei. Und in einem bin ich mir sehr sicher: die meisten digitalen Nomaden – ist ja ein junges Phänomen – werden dem Ruf der Heimat irgendwann einmal folgen. Ganz genauso wie der Nomade aus Fleisch und Blut. Auch der sucht seine Ruhe- und Kraftplätze auf. Immer wieder.

 

Bonvivant @ Work ist der Blog von Eddy Harteneck, einem Geschäftsreisenden mit Hang zu gutem Leben. Reiseberichte, Hotelempfehlungen und Hunger bekommt, wer seinen Blog liest… Mehr zu Eddy findet ihr unter www.bonvivant-at-work.de.

 

 

 


 

3) Esther von „Esther’s Travel Guide“

 

© Esther’s Travel Guide

 

Was macht Heimat für Dich aus? Wo fühlst Du Dich am ehesten heimisch?

 

Heimat ist für mich einfach zu definieren. Dort, wo meine Lieben sind, fühle ich mich zu Hause. „Heimisch“ habe ich mich jedoch schon an vielen Orten gefühlt. Zum Beispiel bei meinem Langzeit-Aufenthalt in Jordanien, meinem Praktikum in Uganda, meiner Gastfamilie in den USA. Dort, wo man sich wohl fühlt, kann man sich auch heimisch fühlen.

 

Könntest Du Dir vorstellen, ein Nomadenleben ohne festen Wohnsitz zu führen?

 

Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, keinen festen Wohnsitz zu haben. Natürlich würde ich gerne mit einem Wohnmobil um die ganze Welt reisen und darüber berichten. Aber das bleibt erst mal ein Traum.

 

Wie vereinbarst du Heimat und Reisen?

 

Jeder Reiseblogger und Reisende weiß: Das ist nicht immer einfach. Während man sich auf Reisen fast wie in einer Art Traum befindet, so kommt man zurück in der Heimat doch oft viel zu schnell in der harten Realität an.

Was man in einem fremden Land spannend und reizvoll fand, ist vielleicht zu Hause langweiliger Alltag. Arbeit, die man auf Reisen vor sich her geschoben hat, muss nun zu Hause definitiv erledigt werden. Glückshormone, die man auf Reisen täglich verschüttet hat, durchlebt man zu Hause nur beim Durchstöbern alter Bilder. Doch darin liegt für mich die Kunst des Reisens: Mein Herz von jeder Reise wieder mit nach Hause zu bringen.

 

 

Esther ist Studentin, Buchautorin und Reisesüchtige. Sie liebt den Orient, Orte abseits der typischen Touristenpfade und traditionelles Essen. Dich interessieren exotische Länder wie Georgien, Libanon und Äthiopien? Dann lass dich inspirieren. Auf www.esthers-travel-guide.de kannst du 50 verschiedene Länder entdecken.

 


 

4) Janina von „Jäger und Sammler“

 

© Jäger und Sammler

 

Was bedeutet Heimat für Dich? Wo fühlst Du Dich zu Hause?

 

Oktoberfest – das wird mir am häufigsten entgegen gerufen, wenn ich auf Reisen erzähle, dass ich aus München komme. Und während man mir dann weiter von Bier und Brezeln vorschwärmt, muss ich erst mal klarstellen, dass mir Lederhosen und Berge eher fremd als vertraut sind. Denn seit 1,5 Jahren ist München zwar meine neue Heimat, aber so richtig heimisch fühle ich mich dort noch gar nicht.

Heimat – was das für mich momentan bedeutet, kann ich gar nicht so richtig beantworten. Geboren bin ich im Ruhrgebiet, das hört man auch. Ich komm von da zwar weg, wie man bei uns sagt, hingehören tue ich da aber nicht mehr so richtig. Gelebt habe ich die letzten Jahre in Berlin, bevor ich vor dann 2016 nach München gezogen bin – unfreiwillig. Eine Münchnerin bin ich noch nicht geworden, eine Berlinerin bin ich auch nicht mehr. Ich bin gerade noch auf der Suche nach dem Ort, wo ich mal dauerhaft heimisch werden möchte.

Und manchmal wünsche ich mir auf Reisen noch einmal ganz woanders meine Heimat zu finden. Denn es gibt so Orte, die man nur für ein paar Tage besucht und trotzdem sofort den Wunsch verspürt, einfach da zu bleiben, Wurzeln zu schlagen, heimisch zu werden. Vancouver war so ein Ort für mich. Oder auch Kopenhagen. München kann es vielleicht noch werden. Berlin wird es immer sein. Und wenn ich wieder mal im Stau auf der A40 zwischen Duisburg und Bochum stehe, dann ist es auch das Ruhrgebiet. Heimat ist eben kein Ort, sondern doch ein Gefühl.

 

Janina schreibt auf jaegerundsammlerblog.de über kulinarische Highlights in München und Berlin. Und wenn sie das Fernweh packt, dann manchmal auch über ganz woanders.

 

 

 


 

5) Max von „Hostelmax“

 

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Was bedeutet Heimat für Dich? Wo fühlst Du Dich heimisch?

 

Ganz klassisch ist für mich Heimat der Ort, an dem ich geboren und aufgewachsen bin. Und wo ich nun schon mein ganzes Leben lang wohne. Es ist der Ort zu dem ich jederzeit zurückkehren kann, weil ich weiß, „wie es dort läuft“. Allerdings fühle ich mich hier (in Hannover) bereits seit einigen Jahren nicht mehr zu Hause.

Das gibt mir die Gelegenheit, mich auf die Suche zu machen. In meinem Fall dann nach den besten Hostels rund um den Globus. Und das ohne großartiges Heimweh. Rund um die Hostels bauen sie ja auch immer total interessante Städte, die ich mir ebenfalls anschauen kann.

 

Könntest Du Dir vorstellen, ein Nomadenleben zu führen?

 

Wie eben angedeutet gibt es unendlich viele Gründe, meine Arbeit von unterwegs zu erledigen. Jedenfalls den Teil der Arbeit, der nicht mit dem Test der Hostels zu tun hat.

Dass ich trotzdem regelmäßig nach Hannover zurückkehre, liegt einzig und allein an meinem Sohn. Keine Reise kann so spannend sein wie ein paar Tage mit ihm. Das mag anders sein, sobald er älter ist. Dann kann ich immer noch anfangen, überall zu leben. In die Heimat kann ich immer wieder zurückkehren, ich werde mich hier immer zurechtfinden.

 

Hostelmax ist unterwegs, um coole Hostels und interessante Städte mit und für euch zu entdecken. Die Berichte könnt ihr dann auf seinem Blog www.hostelmax.de nachlesen.

 

 

 

 


 

6) Imke von „Crappy Radio Stations and Candy Bars“

 

© Crappy Radio Stations and Candy Bars

 

Was bedeutet Heimat für Dich?

 

Heimat ist für mich der Ort, an den ich zurückkehre, Kraft tanke und durchatme. Meine ursprüngliche Heimat ist Ostfriesland, jetzt Hamburg. Ich bin in Norddeutschland verwurzelt und finde es schön, immer mal wieder meine Familie zu sehen. Das macht für mich das Heimatgefühl komplett.

 

Welche Tipps hast Du parat, um Heimat und Reisen zu vereinbaren?

 

Ich bin immer gerne auf Reisen und werde sogar hibbelig, wenn ich zu lange keine neuen Reisepläne schmieden kann. Aber mit meinem Vollzeitjob ist das manchmal gar nicht so einfach. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, die 28 Urlaubstage möglichst effizient für Reisen und Ausflüge einzusetzen.

Dafür überlege ich mir meistens einen „Wunschurlaub“ mit ca. 2-3 Wochen und noch ein bis zwei kürzere Reisen, damit der Rest des Jahres nicht so urlaubsarm wird. Wenn ich es dann noch schaffe, bundesweite Feiertage in meine Planung mit einzubeziehen, dann sieht es meistens gar nicht mehr so schlimm aus.

Dieses Jahr habe ich zum Beispiel über das lange Wochenende vom 3. Oktober und auch das vom 31. Oktober je zwei Kurzurlaube geplant. Wenn man die Feiertage nicht zu Hause verbringen will, eignen sich auch Weihnachten und Ostern hervorragend, um ein paar Urlaubstage zu sparen.

 

Könntest Du Dir vorstellen, als digitaler Nomade zu leben?

 

Auch wenn es eigentlich nie genug Urlaub sein kann, ein Leben als digitaler Nomade könnte ich mir nicht vorstellen. Ich mag gerne im Büro im Team arbeiten und freue mich ebenso auf meine eigene Wohnung inklusive Couch. Ich merke schon, dass der „travel bug“ mich nicht ganz loslässt und vielleicht wird er irgendwann wieder Überhand nehmen. Aber bis dahin freue ich mich erst einmal auf meinen nächsten Urlaub und auch auf das Heimkommen danach.

 

 

Imke teilt auf crappyradiostationsandcandybars.de  Reiseberichte und nützliche Reisetipps mit ihren Lesern – egal ob für den nächsten Kurztrip, Urlaub oder eine längere Reise.

 

 

 


 

7) Abschließende Worte zum Thema „Heimat und Reisen“

 

Was also bedeutet nun Heimat? Mir scheint: Für jeden etwas anderes. Für manche ist es ein Ort, für andere ein Gefühl, manchmal ist man auch noch auf der Suche nach der ganz eigenen „Heimat“. Vielen Reisebloggern, denen das Reisen ja ganz offensichtlich sehr am Herzen liegt, stellt sich diese Frage sicher einmal früher oder später. Ist das Reisen ein Teil vom Leben – oder wird es dazu? Schreibt man über seine endlose Lust, nur noch unterwegs zu sein, oder freut man sich auch auf das Heimkehren? Und wie kann man dann Heimat und Reisen miteinander vereinbaren? Heute wird der Begriff des „digitalen Nomaden“ immer populärer, immer mehr Leute träumen von diesem Lebensstil. Davon, ortsunabhängig arbeiten zu können, viel zu reisen, sich die ganze Welt zur Heimat zu machen. Dieser Roundup-Post zeigt aber auch hier: Das Nomadenleben ist kein perfektes Rezept. Es ist viel eher eine individuelle Persönlichkeitsfrage.

 

Mehr Artikel zum Thema Heimat:

Vom Heimkehren nach einer langen Reise und dessen Wichtigkeit
♦ 6 gute Gründe, weshalb Heimkehren nach einer Reise schön ist

 

 

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4 Kommentare für “Roundup: 6 Reiseblogger sprechen über Heimat und Reisen

  1. Sehr interessante Fragen und spannende Antworten. Zwar mag das ganze nicht repräsentativ sein, es macht jedoch vor allem eines deutlich: an den beantwortenden Reisebloggerkolleg*innen würden sich all die „Hamsterrad-Befreier“ und „verkauf-Dein-Hab-und-Gut-und-zieh-hinaus-in-die-Welt-Propheten“ wohl die Zähne ausbeißen. Und das ist auch gut so. 😉

    LG, Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,

      danke für deinen Kommentar :). Stimmt, dieses „willst du zufrieden sein, solltest du unbedingt den Rest deines Lebens nur noch reisen“ greift eben bei weitem nicht für jeden ;-).

      Liebe Grüße,
      Marie

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