Alleinreisen Nachteile allein reisen

Alles Friede, Freude, Eierkuchen? – Was auch ich am Alleinreisen nicht mag

Dieses Alleinreisen ist doch etwas Großartiges! Ich widme meiner großen Reiseliebe nicht nur diesen Blog, sondern habe auch schon ein ganzes Buch darüber verfasst, wie toll das Alleinreisen sein kann. Dieser Artikel wird anders. Denn das Alleinreisen hat, wie jeder andere Reisestil auch, ebenfalls seine Nachteile. Nach nun fünf Jahren regelmäßigen Soloreisens gibt es sogar bei mir an manchen Stellen Ermüdungserscheinungen (was auf keinen Fall heißt, dass ich das Alleinreisen an den Nagel hängen werde). Ein ehrlicher Artikel über meine ganz eigenen Kämpfe mit dem Alleinreisen.

 


 

1) Allein ins Restaurant gehen

 

In wie vielen Restaurants ich schon allein gegessen habe, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Und wenn ich einmal drin sitze, mit einem Buch in der Hand, oder mit schönem Ausblick, dann störe ich mich nicht weiter dran, dort allein zu sitzen.

Aber holla die Waldfee, kostet es mich jedes Mal Überwindung, ein Restaurant zu betreten. Mir allein einen Tisch aussuchen zu müssen. Allein zu bestellen. Und das ganze ist umso schlimmer, wenn ich nicht weiß, ob die einheimische Bedienung mich dort verstehen wird.

Sehr viel leichter fällt es mir, in Cafés zu gehen oder in kleinere Bistros, wo ich mich nicht so verloren fühle zwischen Paaren, Familien und befreundeten Gruppen. Und bei schönem Wetter draußen zu sitzen nimmt mir auch etwas die Last. Aber selbst da: Alleine auswärts essen gehen macht mir oft keine große Freude mehr.

Seltsamerweise hat die innere Gegenwehr bei Restaurantbesuchen beim Alleinreisen über die Jahre eher zugenommen. Und das ohne mir erkenntlichen Grund.

 


 

2) Sich ständig auf neue Leute einstellen müssen

 

Was ich am Alleinreisen am meisten liebe, ist, auf so viele Menschen unterschiedlicher Nationalität, Kultur mit all ihren Geschichten und Erfahrungen zu treffen.

Manchmal aber ist es auch genau das, was mich am Alleinreisen ermüdet. Es gibt immer wieder Phasen, wo ich mehrere Tage mit den gleichen Personen verbringe. Wir verstehen uns wunderbar, wachsen uns ans Herz. Obwohl man sich wenig kennt, fühlt man sich sehr schnell vertraut.

Man schafft in oftmals kurzer Zeit viele gemeinsame Erlebnisse und Momente. Und dann muss man wieder Abschied nehmen. Mitunter kann sich das tatsächlich so anfühlen, wie als würde man einem guten Freund für sehr, sehr lange Zeit auf Wiedersehen sagen müssen.

Manchmal folgen für mich daraufhin ein, zwei schwere Tage des Vermissens.

Zwar geht es jedes Mal wieder schnell, mich auf neue Menschen einzustellen, auch mit ihnen in kurzer Zeit eine gute Bindung aufzubauen und mich gut mit ihnen zu verstehen. Trotzdem können solche Abschiede und der erneute Aufbruch ins Unbekannte doch zwischendurch das Alleinreisen trüben.

 


 

3) Unschöne Orte bleiben unschön

 

Ich habe kein Problem damit, beim Alleinreisen die Zeit für mich allein zu nutzen. Ob ich lese, an meinem Blog sitze, mit Freunden daheim schreibe oder einen Film schaue. Ich genieße nicht nur, beim Alleinreisen viele tolle Menschen zu treffen und Abenteuer zu erleben, sondern auch, mich einfach mal zu entspannen.

Aber hin und wieder kommt es vor, dass ich in einem Ort oder einem Hostel lande, wo ich mich überhaupt nicht wohl fühle. Wo ich tatsächlich nichts mit mir anzufangen weiß. Wo ich die Atmosphäre nicht mag, mir ein netter Aufenthaltsbereich fehlt oder das Wetter mir einen Strich durch die Rechnung macht.

Dann ist es schade, niemanden bei mir zu haben. Denn wenn man mit jemandem zusammen reist, kann man sich alles irgendwie schön machen.

 


 

4) Für das Alleinreisen bewundert oder bewertet werden

 

Hier möchte ich einmal eins klar stellen: Nur, weil ich keine Angst habe, Allein zu reisen, bin ich noch lange nicht immerzu mutig. Ich bin auch keine Einzekämpferin, die sich an nichts und niemanden binden möchte oder nirgendwo Wurzeln schlagen kann.

Ich bin weder Freiheitssüchtig noch stets und ständig stark und selbstständig. Auch ich brauche Liebe, Geborgenheit und Menschen, die meinen Lebensweg mit mir gehen. Auch ich habe schlechte Tage, niedergeschlagene Stunden oder manchmal einfach keine Lust auf das nächste Etappenziel.

Viele neigen dazu, eine alleinreisende Frau in eine Schublade zu stecken. Die mag positiv wie negativ für mich ausfallen. Die einen bewundern es, die anderen belächeln es.

Was das Alleinreisen wirklich für mich ganz persönlich bedeutet, was es für mein Leben ausmacht und wieso ich es immer wieder tun möchte, danach fragen viele überhaupt nicht.

 


 

5) Für Alleinzeit kämpfen müssen

 

Je länger ich das Alleinreisen praktiziere (und vielleicht auch, je älter ich werde), desto mehr wünsche ich mir bei meinen Reisen regelmäßig wirklich Zeit für mich und den Moment. Zeit, Sonnenuntergänge zu beobachten. Dem Wind zu lauschen. Den Meereswind zu spüren. Bei einer Wanderung abzuschalten oder in einem Park in einem guten Buch zu versinken.

Ich möchte auch im Hostel einfach mal meine Ruhe haben. Möchte Musik hören, am Laptop arbeiten, mein nächstes Reiseziel planen können. Oder auch einfach mal nur in einer Hängematte liegen und nichts tun.

Vor allem möchte ich mich dabei oft partout nicht unterhalten. Ich möchte einfach nicht gestört werden.

Na, sollte doch als Soloreisende überhaupt kein Problem sein, oder? Denkste!

Manchmal muss ich meine Ruhe, meine Ich-Zeit, regelrecht verteidigen. Vielleicht wimmel ich den ersten mit einem kurzen „Ja“ ab, der mich fragt, ob ich am Laptop Arbeit zu erledigen habe. Vielleicht schaffe ich es auch, mich vor den nächsten zwei, drei Gästen zu verstecken. Früher oder später kommt es dann aber doch zu einer Situation, wo ich einem Gespräch nicht mehr unkompliziert ausweichen kann.

Und dann lasse ich mich viel zu schnell in eins verwickeln. Irgendwie ist es ja auch doch ganz nett, mit jemandem zu quatschen und Kontakt zu haben.

Letzten Endes aber kann mir es mir manchmal viel Energie kosten, anderen verständlich zu machen, dass ich wirklich gerade allein sein WILL.

 


 

6) Sich unter vielen Menschen einsam fühlen

 

Generell bin ich ein extrovertierter Mensch, der schnell Kontakte knüpft und mit fremden Leuten meist leicht warm werden kann.

Schwierig wird das Ganze beim Alleinreisen aber dann, wenn um mich herum kaum andere Alleinreisende sind. Wenn ich einen Aufenthaltsbereich im Hostel betrete und sehe, wie überall Gruppen, Paare oder befreundete Zweierteams sitzen.

Oder, wenn ich als einziger Nicht-Muttersprachler in einer Gruppe von englischsprachigen Menschen lande. Obgleich mein Englisch gut genug ist, um regelmäßig Komplimente dafür zu bekommen, kann ich bei schnellen Gesprächen oft doch nicht mithalten. Zu viel Slang, zu viel Umgangssprache, zu viele verschluckte Silben oder ganze Worte.

An guten Tagen kann ich mich dabei dennoch selbst wunderbar integrieren. An schlechten jedoch fühle ich mich hin und wieder einsam, wenn um mich herum viele Menschen sind, die sich angeregt unterhalten.

 


 

7) Das Gefühl, zu Hause etwas zu verpassen

 

Wenn ich eine Weile verreise, dann habe ich regelmäßig das Gefühl, zu Hause alles mögliche zu verpassen. Manchmal stresst mich dieser Gedanke so sehr, dass ich schon mit Angst und Bange an die Zeit nach der Reise denke, wo ich alle möglichen Leute dann wieder so schnell wie möglich terminlich unterbringen möchte. Immerhin hat man sich zwei oder drei Wochen nicht gesehen.

Ich glaube, dass ich dieses Gefühl weniger hätte, wenn ich direkt mit Freunden oder geliebten Menschen losziehen würde. Denn dann hätte ich eben einen Teil meines Zuhauses bei mir.

 


 

8) Eben doch nicht immer alles tun können, worauf man Lust hat

 

Zumindest nicht genau so, wie man es gerne tun würde.

Wenn mich zum Beispiel abends die Lust packt, etwas trinken oder feiern zu gehen. In dem Fall bin ich als Alleinreisende darauf angewiesen, Leute zu treffen, die darauf ebenfalls Lust haben. Oder ich müsste alleine losziehen – und das liegt mir überhaupt nicht (denn da würde mir Punkt 6 begegnen).

Aber nicht immer und überall komme ich überhaupt in guten Kontakt mit anderen Leuten. Und selbst wenn, kann es natürlich passieren, dass die Interessen weit auseinandergehen.

Zum Glück gibt es beim Backpacking solche Situationen nicht oft. Wenn ich feiern gehen möchte, kann ich mich in einem Hostel einnisten, welches für Partyabende bekannt ist. Wenn ich Lust auf Kartenspiele habe, kann ich nahezu fest davon ausgehen, dass ich in einem generell geselligen Hostel Spielpartner finde.

Trotzdem hängt das alles in erster Linie tatsächlich vom Hostel ab und welche Atmosphäre dort vorherrscht. Und nicht immer ist ja planbar, worauf man am gleichen oder nächsten Tag und Abend vielleicht Lust haben könnte.

 


 

9) Man muss sich immer wieder überwinden

 

Ja, auch mich, nach fünf Jahren regelmäßiger Soloreisen in verschiedensten Ecken der Welt, kosten manche Dinge noch Überwindung. Nicht immer die gleichen und nicht immer gleich viel. Aber es kommt durchaus noch vor, dass ich mir beim Alleinreisen selbst einen richtigen Ruck geben muss.

Einen Ruck, mich zu einer bereits bestehenden Gruppe im Hostel dazu zu setzen. Einen Ruck, allein an den Strand zu fahren. Einen Ruck, mich in ein Café zu setzen, welches keine englische Karte hat. Einen Ruck, abends noch einmal mein Zimmer zu verlassen und raus zu gehen. Einen Ruck, mich einfach mal treiben zu lassen.

Zum Glück wird jede Überwindung belohnt. Mit interessanten Menschen, schönen Momenten, tollen Landschaften, einem leckeren Essen, Zufriedenheit. Aber erst einmal muss ich sie eben aufbringen.

 


 

Abschließende Worte

 

Ich genieße es unheimlich, die Welt auf eigene Faust zu entdecken. Mit den letzten Jahre habe ich jedoch festgestellt, dass ich nicht immer und ausschließlich nur allein reisen möchte. Vielleicht liegt’s am Alter, wer weiß. Nichts desto trotz sehe ich das Alleinreisen nach wie vor als einen Reisestil, der viele Geschenke birgt, auf die ich auch in Zukunft nicht verzichten möchte. Und nach wie vor möchte ich jedem ans Herz legen, dem Alleinreisen einmal eine Chance zu geben.

 

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