Schönes Ruhrgebiet Heute

Heimat: 10 Gründe, weshalb das Ruhrgebiet heute wunderschön ist

Grau, trist, arm. Das verbinden viele noch mit dem Ruhrgebiet, die nicht dort leben. Dabei hat das Ruhrgebiet heute enorm viel zu bieten und kann sogar als „wunderschön“ bezeichnet werden – wenn man genauer hinsieht. Ich möchte euch einmal erklären, womit das Ruhrgebiet auch auf mich als Zugezogene einen unausweichlichen Charme ausübt.

 


 

1) Ruhrgebiet heute: Industriekultur meets Natur

 

Ja, der Ruhrpott war mal ein großes Loch aus Bergbau und Fabriken. Aber dort, wo früher Bergwerke waren, wurden Bäume gepflanzt, Seen angelegt und Flüsse wieder ihrem natürlichen Lauf überlassen. Renaturierung nennt sich der wunderbare Prozess, der aus grau innerhalb der letzten Jahrzehnte grün machte. Mittlerweile ist die Ruhr, der Fluss, nach dem das Ruhrgebiet benannt ist, wieder so sauber, dass darin geschwommen werden darf. Die Stadt Essen ist 2017 zur Grünen Hauptstadt Europas gekürt worden.

Unberührte Natur ist wunderschön. Und trotzdem liebe ich es, wie sich im Ruhrgebiet die Natur nach und nach das Gebiet zurückerobert. Wie ihr Menschen dabei helfen, denen die Umwelt am Herzen liegt, und wie das Grün dem Grau hier und da die Hand reicht, wie als hätten die beiden Frieden geschlossen.

 

 


 

2) Ruhrgebiet heute: Innovationen und Umweltschutz

 

Mir fallen zu diesen Punkten spontan ein paar Städte ein, die sie erfüllen. Berlin zum Beispiel. Nürnberg. Tübingen in Baden-Württemberg. Städte mit vielen jungen Leuten und Regierungen, die an die Zukunft denken. Wäre ich noch vor ein paar Jahren gefragt worden, ob ich auch nur eine einzige Stadt im Ruhrgebiet dazuzählen würde, hätte ich nur ratlos geguckt.

Jetzt, wo ich schon seit einigen Jahren in Essen lebe, würde daraus ein energisches Nicken werden. Der Ruhrpott steckt voller Innovation. Sehr viele davon zielen auf den Schutz der Umwelt ab, andere aber auch auf den der Armen, der Jungen oder der Alten. Es gibt viele Projekte, viele Ideen, viel Hilfsbereitschaft. Einzelne bewegen im Ruhrgebiet manchmal Großes.

So hat beispielsweise die Stadt Bottrop ein eigenes Projekt („InnovationCity Ruhr“), das die industriell geprägte Stadt von Grund auf klimakonform machen soll. Ein Projekt wie dieses ist bisher einzigartig und soll als Vorbild für andere Städte im Ruhrgebiet, aber auch weltweit dienen.

 


 

3) Ruhrgebiet heute: Der Pott und die freie Schnauze

 

Einer meiner Favoriten! Klar lässt sich immer alles höflich formulieren. Direkt sein ziemt sich auch gar nicht. Fluchen ist sowieso daneben und derbe Worte gehören bitte maximal im Keller hinter verschlossener Hand ausgesprochen. Findest du auch?

Dann ist der Ruhrpott nichts für dich.

Ich komme aus einer kleineren Stadt bei Düsseldorf. Die Landeshauptstadt ist schnieke, die Optik zählt und die endteure Einkaufsstraße Kö ist Markenzeichen. Dann habe ich später zwei Jahre in Tübingen bei Stuttgart in Baden-Württemberg gelebt. Bodenständig, jung und grün. Aber direkt? Ganz bestimmt nicht.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in vielen anderen deutschen Gegenden weniger gemeckert wird, als im Ruhrpott. In Wahrheit wird sich aber trotzdem über vieles geärgert. Nur ausgesprochen wird es eben nicht, oder getarnt, damit es zwar nicht böse klingt, aber dennoch tief trifft.

Das ist im Ruhrpott anders.

Die Leute schimpfen, fluchen, beleidigen sich auch mal – ist doch nur Spaß! – und sind stets ehrlich und direkt. Sie sagen dir, was sie denken, und klopfen dir danach lachend auf die Schulter. Sie werden dir keinen Honig ums Maul schmieren, damit du zufrieden bist, sondern dir ehrlich begegnen. Echt und authentisch, mit Humor und Pottschnauze. Wie du rumläufst spielt keine Rolle, und reich musst du schonmal gar nicht sein, um im Ruhrgebiet akzeptiert zu werden. Hauptsache du kannst kontern, alles etwas lockerer nehmen und Witze reißen. Wundervoll!

 


 

4) Ruhrgebiet heute: Preiswertes Leben

 

Das Ruhrgebiet ist nicht teuer. Eine super Sache, wenn man als Auszubildender oder als Student hierher kommt. Oder, wenn man sein Geld gerne für Reisen spart – so wie ich. Gerade die Mietpreise können zwar von Stadt zu Stadt und auch innerhalb der Städte variieren (sind jedoch immer noch meist niedriger als in angrenzenden Regionen), aber das alltägliche Leben ist prinzipiell preiswert.

Gerade beim Essen und Trinken stelle ich immer wieder fest, wie viel mehr ich bereits im nahen Düsseldorf für die gleiche Qualität zahlen müsste. Natürlich kann man auch im Ruhrgebiet einen teuren Club erwischen oder das Sternerestaurant. Aber wer möchte, kann für wenig Geld ausgiebig brunchen, einen Kaffee trinken oder Sushi essen.

 


 

5) Ruhrgebiet heute: Gastronomiebetriebe en masse

 

Wusstest Du, dass sich in der Bochumer Innenstadt so viele Gastronomiebetriebe tummeln, dass das Areal dort sogar einen eigenen Namen erhalten hat? Das Bermuda3eck ist gerade im Sommer total schön, wo zahlreiche Außenbereiche zum Sitzen einladen. Oder hast du schonmal etwas vom Innenhafen in Duisburg gehört, der seit einigen Jahren etliche Restaurants beherbergt? Oder das Viertel Rüttenscheid in Essen, in dem schniecke Bars auf niedliche Cafés treffen?

Das Ruhrgebiet ist groß, wenn es um die kulinarische Verwöhnung seiner Bewohner geht. Immer wieder eröffnen neue Restaurants mit modernem Konzept, kleine Cafés mit begeisterten und jungen Besitzern und Bars sowie Kneipen. Finanziell sind die meisten auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich.

Ein neuer Trend im Ruhrgebiet sind übrigens Streetfoodmärkte. Eine großartige Idee, an deren Umsetzung es allerdings meiner Meinung nach noch scheitert. Gerade, wenn man die Märkte in Asien erlebt hat, möchte man zu Hause nicht für einen kleinen Miniburger zur Probeverkostung gleich 6 € zahlen müssen. Da kann ich im Ruhrgebiet für den selben Preis auch im Restaurant Burger mit Pommes kriegen.

 

Ruhrgebiet heute gastronomie

 


 

6) Ruhrgebiet heute: Shoppingparadies

 

Wenn du gerne Shopping betreibst, dann bist du im Ruhrgebiet wunderbar aufgehoben. Fast jede größere Stadt wirbt mit Einkaufszentren, in denen es an nichts fehlt. Das Centro in Oberhausen, das Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim, der Limbecker Platz in Essen, das Forum in Duisburg. Häufig sind diese mitten im Stadtzentrum oder zumindest hervorragend per Nahverkehr erreichbar.

Damit nicht genug, reihen sich die Geschäfte zum Einkaufen auch auf den Straßen nur so aneinander. Von teuren Marken bis hin zu 1-Euro-Läden, kleinen Boutiquen und großen Kaufhäusern, Innovativem oder großen Modelabeln, Kleidung, Möbeln, Deko, Nippes, Kosmetik – im Ruhrgebiet findest du alles, was das Herz begehrt.

 


 

7) Ruhrgebiet heute: Stadtviertel mit Charme

 

Im 2. Weltkrieg wurde im Ruhrgebiet vieles zerstört. Viel alte Bausubstanz ging verloren – leider. Denn dort, wo sie noch zu finden ist, darf man Stuck, Verzierungen und schöne Architektur bewundern.

Wie vermutlich in den allermeisten Städten der Welt gibt es auch im Ruhrgebiet ärmere und reichere Viertel. Manche Viertel sind einfach nur praktisch und billig geplant, da können die Häuser nicht immer begeistern. Andere Viertel dagegen beherbergen die High Society des Ruhrpotts und bieten zwischen Villa und Villa hunderte Hektar Garten. Aber von diesen Extremen möchte ich jetzt gar nicht berichten.

Ich will lieber von den Stadtvierteln sprechen, die dazwischen liegen. Den „normalen“ Vierteln des Ruhrgebiets. Von denen, die viele Parkanlagen haben und unauffällige, oft bunte Häuschen entlang großer Straßen. Von denen, in denen es immer auch einen Platz mit kleinen Geschäften gibt und Kiosks an jeder Ecke. Ich will lieber von den Vierteln sprechen, die total bodenständig sind und dabei unheimlich charmant.

Denn es gibt sie noch. Die alten Arbeiterviertel, in denen die Häuser heute so beliebt sind, dass man auf eine Warteliste gesetzt wird, wenn man dort einziehen möchte. Die romantischen Häuschen zwischen kargen Neubauten, von deren Fassaden einem noch immer Erker, Statuen oder Verzierungen entgegen ragen.

Viele Stadtviertel im Ruhrgebiet sind einfach richtig nett. Viele Stadtviertel beherbergen viele junge Leute und viele Möglichkeiten, einen schönen Tag zu verbringen. Viele Stadtviertel haben schöne Häuser, sind bunt und grün.

Tatsächlich kann es sich im Ruhrgebiet als Tourist manchmal lohnen, das Stadtzentrum zu verlassen und sich die vermeidlichen Szeneviertel des Potts anzuschauen. Die Wohngegenden der Elite, die historischen Bezirke und eben die Gegenden, die einfach nur aus sich selbst heraus charmant sind.

 

Ruhrgebiet heute Marharethenhöhe

 


 

8) Ruhrgebiet heute: Meltingpot der Kulturen und Nationalitäten

 

Das Ruhrgebiet ist groß, wenn es um Einwanderungstoleranz geht. Für die einen offenbar in der heutigen Zeit ein Graus, liebe ich diesen Aspekt des Potts von ganzem Herzen. Vermutlich beschweren sich auch die Gegner nicht über die köstlichen türkischen oder asiatischen Restaurants, die beispielsweise aus dieser Einwanderungskultur entstehen.

Die Bevölkerung Essens beispielsweise stammt aus 50 verschiedenen Ländern. Die Geschichte der Migration im Ruhrgebiet ist lang. Gerade durch die industrielle Ausprägung kamen nach den Weltkriegen viele Flüchtlinge und Gastarbeiter in die Region. Gibt es hin und wieder Konflikte? Ja. Gibt es hier und da Probleme bei der Integration? Auch das. Aber wenn eine Region wirklich viel für die Einigkeit zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten tut, dann das Ruhrgebiet.

Alltäglich ist hier der Kampf gegen Rassismus. An den Schulen prangen Banner des Projekts „Schule ohne Rassismus“. Zahlreiche Flüchtlingsunterkünfte werden gebaut und gefördert. Multikulti ist hier ganz normal. Die Städte selbst wissen um den hohen Wert, den ihre tolerante Einstellung zur Migration hat – und wie viele Vorteile sie mit sich bringt.

Ich jedenfalls habe den Besuch in einer Moschee in Duisburg genossen, die von innen schöner war als viele Kirchen, die ich so sehe. Ich genieße auch die Freiheit, türkisch, polnisch, japanisch, griechisch oder deutsch essen zu können, je nachdem worauf ich Lust habe. Ich finde es super, dass ich in einem türkischen Laden frisches Obst und Gemüse zu günstigen Preisen bekomme, nach dem ich im normalen Supermarkt lange suchen müsste. Ich liebe die Warmherzigkeit der anderen Nationalitäten, die den Deutschen manchmal fehlt.

Ich finde, dass die vielen Nationalitäten und Kulturen im Ruhrgebiet die Region unweigerlich reicher und schöner machen.

 


 

9) Ruhrgebiet heute: Der Nachbar ist gleich nebenan

 

Der Nachteil des Ruhrgebiets: Große Städte ohne Platz dazwischen. Der Vorteil des Ruhrgebiets: Große Städte ohne Platz dazwischen.

Wenn du von deiner eigenen Stadt mal die Nase voll hast, kein Problem, dann fährst du 10 Minuten mit der Bahn und besuchst eben die nächste! Hast du beim Einkaufen nicht dein Lieblingsteil gefunden? Gibt doch in der Stadt nebenan auch ein großes Kaufhaus! Kennst du schon alle Restaurants in deiner City? Wie wäre es mit dem Geheimtipp in einer anderen? Fünf Minuten mit dem Auto fahren und schon landest du im nächsten Ort.

Der Nachbar ist im Ruhrgebiet gleich nebenan. Manchmal weiß man gar nicht, in welcher Stadt man gerade ist, weil ja nicht an jeder Ecke ein Ortsschild stehen kann. Gehört eben alles zur selben Familie: Der Ruhrpottfamilie.

Als ich in Tübingen wohnte, waren drumherum nur Dörfer. Mit dem Zug brauchte es über eine Stunde nach Stuttgart. Und das ganze kostete auch noch echt viel, weil Stuttgart in einer anderen Nahverkehrszone liegt.

Immer wieder genieße ich nun hier im Ruhrgebiet den Luxus, die nächste große Stadt gleich neben meiner zu wissen. Oder auch die nächste kleinere, immerhin hat das Ruhrgebiet nicht nur Großstadtmetropolen. Und nicht zu vergessen ist die Nähe zu Holland, die natürlich super praktisch ist.

 


 

10) Ruhrgebiet heute: Endlose Möglichkeiten der Freizeitgestaltung

 

Ganz gleich, wo deine Interessen liegen: Im Ruhgebiet kannst du allen davon nachgehen.

Du bist kulturbegeistert? Weshalb nutzt du dann nicht einfach die zahlreichen Kinos, die vielen Theater oder auch die Varietés im Ruhrpott? Oder lausche den zahlreichen Konzerten jeglicher Musikrichtung, die regelmäßig in allen Städten des Ruhrgebiets stattfinden. Eher Klassisches wirst du zum Beispiel in der Philharmonie Essen finden.

Oder interessierst du dich für Kunst und Geschichte und möchtest dich gerne in Museen bilden? Auch die hat das Ruhrgebiet zu bieten.

Wie sieht es mit sportlicher Betätigung aus? Falls dir keines der zahlreichen Fitnesstudios im Ruhrgebiet zusagt, probiere es doch mal mit Klettern, Schwimmen oder Kampfsport. Oder schließe dich einer der Freeletics-Gruppen an, die ihr hartes Krafttraining gerne draußen durchführen.

Diverse Festivals machen gerade im Sommer das Ruhrgebiet zur Freiluftpartyszene. Wer wollte, könnte beinahe jedes Wochenende zu Elektro, Pop oder Reggae an der frischen Luft abtanzen.

Naturliebhaber kommen im Ruhrgebiet erst recht nicht zu kurz. Die Ruhr ist ein wunderschöner Fluss, der zu ausgedehnten Spaziergängen oder Radtouren einlädt. Viele Wälder und Parks eignen sich ebenso für Outdoor-Aktivitäten. Eine beliebte Freizeitaktivität im Ruhrgebiet ist übrigens auch das Geocachen.

Oder dir ist mal nach etwas Ausgefallenerem? Wie wäre es mit einem spannenden Escape Game, einer Runde Lasertag oder einem riesigen Trampolinparadies?

Ein ödes zu Hause sitzen, weil einem einfach nichts besseres einfällt, kann dir hier im Ruhrgebiet nicht passieren. Der Ruhrpott steckt voller Abenteuer und Möglichkeiten.

 

 


 

Abschließende Worte

 

Wenn du mit alten Menschen aus dem Ruhrgebiet sprichst, wirst du oft hören, dass es kein besseres Stückchen Land in Deutschland gibt. Die Ruhrpottler lieben ihre Heimat, das Alte und das Neue, das Grüne und das Graue, das Arme und das Reiche. Nachdem ich selbst nun schon einige Jahre im Ruhrgebiet lebe, verstehe ich immer mehr, weshalb eigentlich. Es gibt nichts, was es im Ruhrgebiet nicht gibt, irgendwie ist hier alles möglich. Einen Ort wie das Ruhrgebiet heute gibt es einfach kein zweites Mal.

 

Weitere Artikel zum Ruhrgebiet:

♦ Ruhrgebiet wird hipp: 58 Insider Tipps für die Stadt Essen

 

Was fällt Dir zum Ruhrgebiet ein? Vielleicht lebst Du ja sogar auch hier – was begeistert Dich dann am Pott besonders oder was fehlt Dir? Ich bin gespannt auf Deinen Kommentar!

 

(Fotos: „Ruhr“ von siepmannH  / pixelio.de)

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