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Neues Blog-Thema: Glutenfreie Ernährung beim Reisen und wie ich dazu kam

Ab jetzt wird es ein neues Thema auf meinem Reiseblog geben: Glutenfreies Reisen. Aber was bedeutet das eigentlich, dieses „glutenfrei“? Wie kam ich zur glutenfreien Ernährung? Und wieso widme ich dem Thema plötzlich eine ganz eigene Rubrik auf meinem Blog?

 


 

1) Verdauung – das Thema, von dem keiner spricht

 

Spätestens seit „Darm mit Charm“ reden alle drüber und gleichzeitig auch doch nicht: über unsere Verdauung. Also man spricht drüber, aber eben nicht laut. Und nur mit den engsten Freunden. Aber eigentlich auch da am liebsten nicht, solange es sich vermeiden lässt.

Ganz anders in meinem Berufsumfeld. Meine Kollegen und ich unterhalten uns über Durchfall, Kotsteine und Erbrochenes und beißen dabei genüsslich in unser Frühstücksbrot (ich jetzt nicht mehr). Wo andere angewidert die Biege machen, hat sich bei uns jegliches Ekelgefühl im Hinblick auf Ausscheidungen erübrigt.

Dabei geht es aber natürlich um unsere Patienten. Von seinen eigenen Klogeschichten erzählt kaum jemand frei heraus.

 


 

2) Andere haben ständig Kopfschmerzen

 

Dabei hat ein hoher Prozentteil der Bevölkerung regelmäßig Probleme mit der Verdauung. Viele neigen zu Verstopfung (Abführmittel werden vor allem in der älteren Generation von vielen täglich konsumiert). Etwa jeder sechste Deutsche leidet unter chronischen Verdauungsproblemen mit Blähungen, Verstopfung und Durchfällen. Reizdarm wird das Ganze dann getauft, wenn man keine Ursache finden kann.

Eine von denen war ich, mein Leben lang. Andere haben ständig Kopfschmerzen oder kriegen bei jedem noch so kleinen Stress Herpes. Ich lag mit Bauchschmerzen im Bett.

 


 

3) Ich habe vieles probiert – Nichts hat geholfen

 

Ich habe es mit verschiedenen Probiotika versucht – nicht geholfen. Regelmäßig Sport getrieben und beibehalten – nicht geholfen. Habe jegliche Weißmehlprodukte aus meinem Speiseplan gestrichen und durch Vollkornprodukte ersetzt. Habe eine Zeit lang täglich Leinsamen zu mir genommen. Habe abends keine Kohlenhydrate mehr gegessen und die sowieso schon mal nicht mehr mit Eiweißen kombiniert. Ergebnis? Alles beim Altem.

Es gab selbstverständlich auch bessere Zeiten in meinem Verdauungswirrwarr, meist wenn es mir seelisch blendend ging. Oder ging es mir seelisch so gut, weil ich in diesen Zeiten nicht unter Bauchschmerzen litt? In Südostasien zum Beispiel hatte ich so gut wie nie Bauchschmerzen.

Ich sah die Gründe in den fehlenden Milchprodukten vor Ort. Außerdem schienen mir Reis und Weißbrot wesentlich besser zu bekommen, als die Vollkornprodukte zu Hause. Vermuteter Grund: Die so hoch angepriesenen Ballaststoffe schien mein Darm eben nicht gut verdauen zu können.

Also habe auf nach meiner Rückkehr auf dieses böse Lactose in Milchprodukten verzichtet, obwohl ich Käse liebe. Ich habe übermäßige Vollkornprodukte wieder aus meinem Speiseplan verbannt und stattdessen vermehrt Reis statt Nudeln gegessen. Ich habe zum Frühstück statt meinem Lieblingsmüsli Smoothies verdrückt. Zwischendurch noch mal ein paar super tolle Darmbakterien für viel Geld eingeworfen.

Am Ende dieser ganzen Aktionen hatte sich nichts deutlich oder nachhaltig verbessert. An vielen Tagen ging ich nach wie vor mit Bauschmerzen ins Bett. Da das schon immer zu meinem Leben gehörte, fiel es mir nicht mal mehr großartig auf.

 

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In Südostasien hilft viel Obst über den kleinen (Gluten-)Hunger hinweg…

 


 

4) Gluten als Ursache und Lösung?

 

Dann stieß ich in einem Artikel auf die Vorteile glutenfreier Ernährung. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass mir davon die allermeisten total Schnuppe waren, ja, ich sie sogar überwiegend für Quatsch halte. Aber als „Verdauungsprobleme“ und „Blähungen“ und „Reizdarm“ darin vorkamen, wurde ich mit einem Mal darauf aufmerksam.

Ziemlich sicher hatte ich keine Zöliakie – eine Glutenallergie, oft Weizenallergie genannt. Da wären die Symptome noch um einiges ausgeprägter (übrigens ein großer Vorteil – ich falle nicht gleich halbtot um, wenn ich doch mal Gluten esse). Aber konnte es vielleicht sein, dass ich eine sogenannte Glutensensitivität hatte?

 

Ein kurzer Einblick in die Welt des Glutens:

 

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Klebeeiweiß. Die Bezeichnung ist Programm, denn Gluten sorgt in unseren Backwaren, zum Beispiel beim Brot, dafür, dass der Teig nicht auseinander fällt. Gluten kommt in verschiedenen Getreidesorten vor.

Was ist eine Glutensensitivität?

Gleich vorweg: Glutensensitivität ist nach wie vor ein etwas schwammiger Begriff. Letztlich gilt man dann als Glutensensitiv, wenn man keine diagnostizierbare Zöliakie hat und sich die Beschwerden unter glutenfreier Ernährung dennoch deutlich bessern. Hierzu werden immer mehr Studien gemacht.

Die Glutensensitivität kann sich nach einer konsequenten glutenfreien Ernärung wieder beruhigen, so dass nach ein, zwei Jahren auch wieder glutenhaltige Nahrungsmitteln in geringen Mengen gegessen werden können.

Worin ist Gluten enthalten?

  • Weizen
  • Dinkel
  • Roggen
  • Gerste
  • Hafer in kleinen Mengen
  • Couscous
  • Bulgur

Vor allem Weizen wird vielen Produkten in Form von Mehl beigemischt. Fertigsuppen, Soßen oder Pommes aus der Tiefkühltruhe können beispielsweise ebenfalls mit Weizenmehl versetzt sein.

Auch Bier ist tabu – sorry!

Glutenfreie Alternativen:

  • Reis
  • Mais
  • Buchweizen
  • Quinoa
  • Maisgrieß/Polenta
  • Hirse
  • Amaranth
  • Kartoffeln und sonstige Gemüsesorten

Außerdem gibt es mittlerweile diverse glutenfreie Varianten von sonst glutenhaltigen Lebensmitteln:

  • glutenfreie Nudeln
  • glutenfreies Brot
  • glutenfreie Haferflocken
  • glutenfreie Kekse und Kuchen
  • und vieles mehr

 

Ich erinnerte mich an Südostasien, und mir fiel auf, dass ich dort so gut wie keine Getreideprodukte zu mir genommen hatte. Es gab dort kaum Brot, keine Hartweizennudeln oder Kuchen. Die asiatische Küche war in diesem Fall automatisch überwiegend glutenfrei gewesen.

 


 

5) Selbstversuch: Glutenfrei Essen

 

Der Artikel riet, einen 90-Tage Selbstversuch zu starten, um herauszufinden, ob eine Besserung der Beschwerden eintrete. So lange brauche der Darm mindestens, um sich von den stetigen Entzündungsreaktionen aufgrund des Glutens zu erholen.

Ich liebe solche Projekte (in verschiedenen Ernährungsstrategien bin ich über die Jahre recht bewandert geworden :D), also entschloss ich mich kurzerhand, den Selbstversuch durchzuziehen. Mit dem sehr präsenten Gedanken im Hinterkopf, dass es ohnehin nichts nützen würde und ich in drei Monaten dann die leckeren Kekse in meinem Schrank ja auch wieder essen könne.

In den nächsten Tagen hieß es, glutenfreie Produkte einzukaufen. Das war gar nicht so schwer wie ich befürchtet hatte, immerhin gibt es heutzutage fast jedes glutenhaltige Produkt auch in einer glutenfreien Variante.

Viel schwerer war es, glutenhaltige Produkte NICHT einzukaufen. Chips – mit Weizenmehl versetzt. Müsliriegel – Haferflocken und Mehl drin. Vegetarischer Brotaufstrich – Mehl. Die asiatische Glasnudelsuppe – Mehl drin.

Zum Glück koche ich schon seit guten 10 Jahren all meine Mahlzeiten selbst und griff ohnehin nur noch sehr sehr selten auf Fertigprodukte zurück. Das machte es vielleicht leichter.

Tatsächlich hielt ich den ersten Monat glutenfreier Ernährung ohne Schwierigkeiten durch. Rasend schnell hatte ich keinen Appetit mehr auf den Kuchen vor meiner Nase oder das duftende Brot vom Bäcker. Mich konnten die Pastagerichte beim Italiener nicht mehr locken. Stattdessen freute ich mich auf mein selbstgemachtes, glutenfreies Knuspermüsli zum Frühstück.

Die 90 Tage vergingen wie im Flug. Nur einmal aß ich mehr aus Höflichkeit bei einer Geburstagsfeier ein Stück Kuchen mit.

 

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Von jetzt an hieß es, mein Knuspermüsli selbst zu machen – schmeckt übrigens köstlich 🙂

 


 

6) Glutenfreie Ernährung: Mein Verlust

 

Nach den 90 Tagen konnte ich vor allem eines sagen: Ich hatte etwas verloren. Die glutenfreie Ernährung hatte mir etwas genommen, was mich mein Leben lang begleitet hatte. Und das innerhalb weniger Wochen.

Ich war nahezu beschwerdefrei.

Bauchschmerzen waren für mich so normal gewesen, dass ich es kaum glauben konnte, wie schnell KEINE Bauschmerzen für mich ebenso normal wurden. Wie selbstverständlich ich plötzlich alles aus meinem Kühl- und Vorratsschrank aß, ohne Panik vor Bauchkrämpfen zu haben.

Plötzlich war ich zu einer dieser Hochglanz-Werbegeschichten geworden. „Essen Sie glutenfrei, es wird Ihr Leben verändern!“. Noch vor ein paar Monaten hätte ich diese Leinwand maximal mit einem abschätzigen Kopfschütteln bedacht. Jetzt spielte ich auf einmal die Hauptrolle.

Die glutenfreie Ernährung ist kein Non-Plus-Ultra, nichts, was unbedingt jeder gesundheitsbewusste Mensch durchziehen muss, am besten schon gestern, und Gluten ist meiner Meinung nach auch nicht DAS Gift schlechthin unter den modernen Ernährungssünden. Aber für mich hat es tatsächlich sehr viel verändert.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht anmerken, dass ich trotzdem manchmal ein unangenehmes Völlegefühl habe. Vor allem dann, wenn ich irgendwo zum Essen eingeladen bin und mit viel Fett gekocht wird. Ich hatte auch einmal starke Bauchkrämpfe, nachdem ich auf nüchternem Magen eine Tablette Zink eingeworfen hatte, welche leider solche Nebenwirkungen haben kann.

Mein Darm ist ’ne kleine Zicke, wird er vielleicht immer bleiben. Aber seit der glutenfreien Ernährung hält er sich an den allermeisten Tagen wirklich zurück.

Die glutenfreie Ernährung hat mich um eine uralte Last erleichtert. Sie hat mein Leben unbeschwerter gemacht. Und dabei habe ich seitdem nicht einmal das Gefühl gehabt, auf etwas Wichtiges verzichten zu müssen.

Ich weiß, wie lecker Nudeln schmecken. Ich erinnere mich an das Gefühl von schmelzender Schokolade im Schokokuchen. Ich weiß genau, wie der Biss in ein Vollkornbrot ist. Noch heute sage ich zur Torte im Schaufenster „Lecker“ und wenn belegtes Baguette aufgetischt wird sage ich manchmal „Esst für mich mit“.

Aber vermissen, nein, vermissen tue ich das alles nicht. Und die ewigen Bauchschmerzen erst Recht nicht.

 


 

7) Glutenfreie Ernährung und Reisen

 

Natürlich bedeutet die umgestellte, glutenfreie Ernährung für mich auch, beim Reisen glutenfrei zu essen. Allerdings ist glutenfreie Ernährung noch bei weitem nicht so weit verbreitet auf der Welt, wie es zum Beispiel vegetarische Produkte oder sogar Veganismus sind.

Deshalb ist glutenfreies Reisen nicht immer ganz einfach und funktioniert in jedem Land anders. Es bringt beim Reisen Nachteile mit sich, die ich so gut es geht auszugleichen versuche. So ist es beispielsweise wesentlich schwerer für mich geworden, preiswert essen zu gehen. Noch mehr als vorher schon koche ich meine Mahlzeiten beim Reisen selbst.

Obwohl Vielen glutenfreie Ernährung noch kein präsenter Begriff ist, weiß ich doch, dass ich natürlich nicht die Einzige bin, die glutenfrei reist. Und deshalb möchte ich meine Erfahrungen zum glutenfreien Reisen in Zukunft mit Dir teilen, möchte Dir praktische Rezepte für’s kleine Budget vorstellen und auch auf die Schattenseiten der glutenfreien Ernährung beim Reisen hinweisen.

 

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Diese köstlichen marokkanischen Crêpes wären heute leider tabu!

 


 

8) Abschließende Worte

 

Glutenfrei essen hat für mich persönlich viel verändert. Auch beim Reisen. Weil mich das Thema in Zukunft fortwährend begleiten wird, möchte ich Dich an meinen Erfahrungen und Erlebnissen mit der glutenfreien Ernährung beim Reisen teilhaben lassen. Ich hoffe, dass auch Du als glutenfreier Reisender/glutenfreie Reisende von ihnen profitieren kannst.

 

Musst oder willst auch Du Dich bei Deinen Reisen glutenfrei ernähren? Leidest Du vielleicht sogar unter einer Zöliakie und musst sehr genau aufpassen, was Du zu Dir nimmst? Wie bist Du zur glutenfreien Ernährung beim Reisen gekommen?

 

 

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2 Kommentare für “Neues Blog-Thema: Glutenfreie Ernährung beim Reisen und wie ich dazu kam

  1. Spannend! Ich fühle mich auch immer wieder dazu verführt, Gluten zu reduzieren. Dabei habe ich gar keine Beschwerden. Ist eher dieses Trend-Gefühl. Glutenfreie Produkte kaufe ich allerdings nie. Wenn ich nach Deutschland zurückkehre, werde ich wieder „flexiganischer“ unterwegs sein. Ich erinnere mich an eine Italienerin mit Zöliakie, die hier in Kenia jedem auf die Nerven ging, weil ihr Gluten wirklich Beschwerden bereitet. Dabei sind Weißmehl-Speisen hier Prestige-Nahrungsmittel. Es ist also schon schwer, ohne Gluten zu Reisen. Ich habe deinen Beitrag sehr gern gelesen, weil du nie den Zeigefinger erhebst, sondern einfach so interessant von deinen Erfahrungen erzählst. Danke! PS: Google mal das Whole30-Programm.

    1. Hallo Laura,

      vielen Dank für den Input und deine netten Worte :-)!
      Trend geht an mir (absichtlich, und lange nicht nur in der Ernährung) meist vorbei. Wenn es meinem eigenen Körper gut geht, muss ich nicht zusätzlich etwas tun, nur weil „alle“ es tun. Außer eben, man hat Freude an kleinen Selbstversuchen.

      Übrigens würde ich genau so wie die Italienerin sein :D. Mit Zöliakie war sie natürlich noch schlechter dran als ich, aber es ist eben keine Freude, aus „Höflichkeit“ etwas zu essen, wovon man dann den ganzen Abend mit Schmerzen im Bett liegt. Das ist tatsächlich beim Reisen oft nicht einfach und kann sicher geradezu unmöglich werden, wenn man sich nicht selbstständig versorgt. Wie es in Kenia klappt, werde ich hoffentlich selbst eines Tages herausfinden :-).

      Dir wünsche ich alles Gute auf deinen nächsten Reisen und halte mich gern auf dem Laufenden, falls Du den Versuch „glutenfrei“ eines Tages erproben solltest.

      Liebe Grüße,
      Marie

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